SEMINÁRKA - KARL GUTZKOW: Wally, die Zweiflerin
Seminárka na sem.lit.19.stor. u Mikulášovej. K tomu patrí aj referát (Prezentácia - Karl Gutzkow: Wally). Možno poslúži ako inšpirácia :-)
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KARL GUTZKOW: Wally, die Zweiflerin
(seminárna práca)
Seminár z nemeckej literatúry 19. storočia
Mgr. Andrea Mikulášová, PhD.
Inhaltsverzeichnis
Das Junge Deutschland - Literaturgeschichtliche Einführung .......................................................2
Karl Ferdinand Gutzkow - seine Zeit, sein Leben, sein Werk ........................................................4
Wally, die Zweiflerin........................................................................................................................8
Mögliche Motive des Autors .........................................................................................................13
Literaturverzeichnis ......................................................................................................................14
1
DAS JUNGE DEUTSCHLAND -
LITERATURGESCHICHTLICHE
EINFÜHRUNG
Der Begriff Vormärz als Epochenbezeichnung bezeichnet den Zeitraum zwischen 1815 und 1848. Die
Literatur des Vormärz wird unterteilt in Junges Deutschland und den eigentlichen Vormärz.1 Nach 1830
war die politische Haltung der deutschen Intelligenz nich einheitlich, und dementsprechend reagierte
auch die Literatur sehr unterschiedlich auf die Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaft und das
antifeudale Emanzipationsstreben der bürgerlichen Klasse. Anfang der dreißiger Jahre fand sich eine
Gruppe fortschrittsfreudiger Schriftsteller zusammen, das Junge Deutschland, dessen literarisches
Programm vor allem in den Ästhetischen Feldzügen (1834) Ludolf Wienbargs verkündet wurde.
Grundgedanke dieser Programmschrift war, dass die Kunst vom Zustand der öffentlichen Verhältnisse
abhängt und auf das politische Leben der Gesellschaft wirken muss. Die Jungdeutschen bemühten sich,
eine gesellschaftskritische Literatur von mobilisierender Kraft zu schaffen. Von ihrem begabtesten
Vertreter, Karl Gutzkow, haben vor allem die Dramen Bedeutung, in denen er meist historische Stoffe im
Sinne aktueller politischer und geistiger Bestrebungen ausdeutete.2
Im Frühjahr 1836 schrieb Büchner aus Straßburg an Gutzkow, mit dem er anläßlich der Herausgabe
seines Dramas Dantons Tod Kontakt aufgenommen hatte: „Übrigens, um aufrichtig zu sein, Sie und Ihre
Freunde scheinen mir nicht gerade den klügsten Weg gegangen zu sein. Die Gesellschaft mittelst der
Idee, von der gebildeten Klasse aus reformieren? Unmöglich! ... Sie werden nie über den Riß zwischen
der gebildete und ungebildeten Gesellschaft hinauskommen.“3
Das Junge Deutschland war also eine literarische Bewegung junger, progressiver, liberaler Dichter die in
der Zeit des Vormärzes ihre Werke veröfentlicht haben.4 Die Bezeichnung Junges Deutschland taucht
zuerst bei Heinrich Laube auf, ist aber durch Ludolf Wienbarg populär geworden, der seine Ästhetischen
Feldzüge 1834 mit den programmatischen Worten einleitet: "Dir, junges Deutschland, widme ich diese
Reden, nicht dem alten".5
Im Beschluss des Deutschen Bundestages vom 10. Dezember 1835 wird „das junge Deutschland“ oder
„die junge Literatur“ eine literarische Schule genannt, zu denen amtlicherseits Heinrich Heine, Karl
Gutzkow, Heinrich Laube, Ludolf Wienbarg und Theodor Mundt gezählt werden. Eine solche Schule
oder Gruppe hat aber nie wirklich existiert. Die genannten Autoren hingen nur lose miteinander
zusammen, verbunden durch ihr liberales Engagement. „In der Eile hat man Ludwig Börne vergessen zu
1 Wikipedia: Junges Deutschland (Literatur)
2 Deutschsprachige Literatur im Überblick. S. 120
3 Metzler Autoren Lexikon. Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart. S.231
4 Literaturwelt: Junges Deutschland und Vormärz
5 Metzler Autoren Lexikon. Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart. S.231
2
erwähnen“, wie später Theodor Mundt bemärkte. Die spätere Literaturgeschichtsschreibung betrachtete
aber diese sechs Autoren zum Kern der jungdeutschen Bewegung. In den weiteren Umkreis gehören
auch Autoren wie Adolf Glassbrenner oder Gustav Kühne. Auch Georg Büchner wird immer wieder im
Zusammenhang mit dem Jungen Deutschland erwähnt oder ihm sogar irrtümlich zugerechnet. Er selbst
distanzierte sich aber vom Jungen Deutschland.6
Die Dichter des Jungen Deutschland verband die Ablehnung der Restauration und des Adels und das
Einsetzen für Presse- und Meinungsfreiheit. Sie wandten sich gegen die reaktionäre Politik Metternichs
und der Fürsten des Deutschen Bundes. Sie traten für demokratische Freiheitsrechte, soziale
Gerechtigkeit sowie für die Überwindung überkommener religiöser und moralischer Vorstellungen ein.
Den Idealismus der Klassik und Romantik lehnten sie als apolitisch und rückständig ab. Beide
literarischen Richtungen waren ihnen zu realitäts- und lebensfern. Für die Jungdeutschen durfte Literatur
nicht elitär sein; sie sollte vielmehr auf gesellschaftliche und politische Missstände aufmerksam machen.
Sie sahen sich selbst als Erben und Fortführer der Aufklärung und wurden zu literarischen Wegbereitern
der bürgerlich-liberalen Märzrevolution von 1848-49.
Weltanschaulich waren die Vertreter des Jungen Deutschland von Hegels Entwicklungslehre und vom
utopischen Sozialismus Saint Simons beeinflusst. Nationalpolitisch erhofften sich die meisten die Einheit
Deutschlands in der Form einer Republik und somit die Überwindung des Feudalismus. Im Unterschied
zu Zeitgenossen wie Georg Büchner oder zur späteren Dichtergeneration des Vormärz um Georg
Herwegh, Ferdinand Freiligrath, Heinrich Heine und August Heinrich Hoffmann von Fallersleben ging es
den Jungdeutschen allerdings nicht primär um einen politischen Umsturz. Sie strebten vielmehr eine
vollständig neue, liberale Gesellschaft an, in der keine Autorität mehr ohne weiteres akzeptiert werden
sollte. Für sie war Politik nur ein Bereich unter vielen, neben Moral, Religion, Ästhetik etc.
Auf Beschluss des Frankfurter Bundestages wurden im Dezember 1835 die Schriften der Gruppe in
allen Staaten des Deutschen Bundes verboten.7 Den Anlass zum Verbot lieferte vermutlich der
einflussreiche Literaturkritiker Wolfgang Menzel mit einer vernichtenden Rezension von Karl Gutzkows
Roman Wally, die Zweiflerin. Menzel wollte darin gesellschaftsgefährdende Pornographie und
Blasphemie erkennen. Heinrich Heine, der sich nie dem Jungen Deutschland zugehörig fühlte, griff
daraufhin in seiner Schrift Über den Denunzianten Menzel auf das heftigste an.
6 Wikipedia: Junges Deutschland (Literatur)
7 Wikipedia: Junges Deutschland (Literatur)
3
Karl Gutzkow.
Courtesy of the trustees of the British
Museum; photograph, J.R. Freeman & Co.
Ltd.
KARL FERDINAND GUTZKOW - SEINE ZEIT, SEIN LEBEN, SEIN WERK
„Sein Name wird bleiben, aber von seinen Werken nichts“, so
urteilte Theodor Fontane. Gutzkow kommt in jeder deutschen
Literaturgeschichte vor, aber selten gut weg.8
Auch ein weiteres Zitat markiert sein Werk. "Man kann die Zeit in
ihm beobachten“ schreibt der Zeitgenosse Gustav Ferdinand
Kühne über Gutzkow.9 Auch aus diesem Grund ist Karl Gutzkows
belletristisches und kritisches Werk von Bedeutung für die
heutige Literaturwissenschaft: es zeigt ebenso wie seine
Biographie in exemplarischer Weise die Probleme und Themen
des mittleren 19. Jh. Sein Name wird in erster Linie mit dem
Jungen Deutschland in Verbindung gebracht. Der Roman Wally,
die Zweiflerin (1835) wird – vom ehemaligen Förderer und
nachmaligen Kontrahenten Wolfgang Menzel denunziert – zum
Anlass für das Verbot der Schriften des Jungen Deutschland. Die
Schaffensperiode des Literaten und Kritikers Gutzkow umfaßt
jedoch einen Zeitraum von fast fünfzig Jahren, vom Jahr 1829 bis
weit in die 1870er Jahre hinein. Er ist als Dramatiker erfolgreich
und anerkannt; von seinen Romanen entfacht neben Wally vor
allem der neun Bände starke "Die Ritter vom Geiste“ (1850-51)
eine rege Diskussion.
Als Literaturkritiker gehört Gutzkow zu den wenigen, deren Karriere über literaturgeschichtliche Epochen
hinwegreicht. In den 1830er Jahren ist er Wortführer einer neuen Strömung, die sich aus dem Schatten
der Weimar Klassik zu lösen versucht und sich gegen die selbstbezügliche Ästhetik der Romantik
wendet. Mit einer neuen, politisierten Form der Kritik wird eine Literatur propagiert, die ihre Zündkraft aus
den soziopolitischen Verwerfungen der Zeit, ihre Reflexion aus der wissenschaftlichen Philosophie
bezieht. 10
Karl Ferdinand Gutzkow. Schriftsteller, Kritiker, Dramatiker, Journalist. Ein Pionier des modernen
Sozialromans in Deutschland. Er war eine der zentralen Gestalten der revoluzionären literarischen
Bewegung „Das junge Deutschland“, welche einen Gegensatz darstellte zu der Romantik und eintrat für
soziale und politische Gerechtigkeit im Deutschland des 19. Jahrhunderts. Sein Gesamtwerk führte die
deutsche Literatur von der Romantik hin zum Realismus.11
Karl Gutzkow wurde am an 17. März 1811 in Berlin, Prussia (heute Deutschland) geboren. Gutzkow
wuchs in Berlin in ärmlichen Verhältnissen auf. Sein Vater Karl August, ein gelernter Maurer und
niederer Hofbeamter, arbeitete in den königlichen Ställen als Stallmeister. Von 1821 bis 1829 besuchte
Karl Ferdinand das Friedrich-Werdersche-Gymnasium. Ein Stipendium gibt Gutzkow die Möglichkeit im
Sommer 1829 das Studium der Theologie, Philologie und Rechtswissenschaft zu beginnen an der
Universität in Berlin, unter anderem unter der Leitung von F.D.E. Schleiermacher, G.W.F. Hegel,
K. Lachmann und F. von Raumer.12
8 Metzler Autoren Lexikon. Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart. S.231
9 Metzler Autoren Lexikon. Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart. S.231
10 Literaturkritik. Geschichte-Theorie-Praxis: Karl Ferdinand Gutzkow
11 Encyclopædia Britannica Online: Karl Gutzkow
12 Encyclopædia Britannica Online: Karl Gutzkow
4
Später wechselte er an die Universität Heidelberg und dann nach München. 1830 wird Gutzkows
akademische Preisarbeit De diis fatalibus von der Berliner Universität prämiert, der Preis wird ihm von
Hegel persönlich überreicht. Unter dem Einfluss der französischen Julirevolution wendet sich Gutzkow
dem Journalismus und politischen Tagesfragen zu.13
Mit 20 Jahren hat er seine literarische Kariere begonnen. Noch als Student, weckte er 1831 durch die
Gründung der Zeitschrift Forum der Journal-Litteratur: Eine antikritische Quartalsschrift das Interesse
des Literaturkritikers Wolfgang Menzel, dessen Einladung nach Stuttgart er folgte. Dort wurde er
Beiträger für Menzels Literaturblatt zum Morgenblatt; auch fungierte er zeitweise als Redakteur der
Literaturbeilage zum Frankfurter Phoenix. Gutzkow begann eine Freundschaft und Zusammenarbeit mit
Menzel, die sich aber in den späteren Jahren abkühlte und Menzel ein Widersacher von Gutzkow und
seinen Werken wurde.
1832 wurde Gutzkow in Abwesenheit von der Universität Jena promoviert. Bis 1834 arbeitete er für
Menzels Literatur-Blatt zu Cottas berühmtem Morgenblatt für gebildete Stände und schrieb für zahlreiche
andere Journale und Zeitungen. 1832 erschien bei Julius Campe in Hamburg anonym auch Gutzkows
erster Roman Briefe eines Narren an eine Närrin, das bereits im Oktober desselben Jahres in Preußen
verboten wurde. Im Jahr darauf ging er zu Menzels Literaturblatt nach Leipzig.
Ende 1833 erschien sein Roman Maha Guru, Geschichte eines Gottes im Verlag von Cotta, eine ins
ferne Tibet verlegte fantastische Satire auf die religiösen und gesellschaftlichen Zustände in
Deutschland, speziell in Preußen. In diesem Jahr machte er auch die Bekanntschaft von Heinrich Laube,
mit dem er eine Reise nach Österreich und Oberitalien unternahm. Erst nach dieser Reise und nachdem
er die Beziehung zu Julius Campe sowie zu Cotta enger geknüpft hatte, entschied sich Gutzkow,
Berufsschriftsteller zu werden. 1835 war Gutzkow in Frankfurt, wo er das Literatur-Blatt zu Eduard
Dullers Phönix Frühlings-Zeitung für Deutschland herausgab; mit ausschließlich eigenen Beiträgen. Aus
dieser Zeit datiert auch der Briefwechsel mit Georg Büchner. In der Folge sorgte Gutzkow dafür, dass
Büchners Drama Dantons Tod in eben jenem Phönix erscheinen konnte, und wurde so zum ersten
Förderer des jungen Autors.
Im Sommer 1835 erschien Gutzkows Roman Wally, die Zweiflerin, der sofort einen Skandal verursachte
und von der Obrigkeit verboten wurde. Dieses Verbot löste die Aktion gegen die Autoren des Jungen
Deutschland aus, wobei besonders Wolfgang Menzels - Gutzkows ehemaligen Freundes - Eintreten
gegen die „Unmoral“ des Buches, die Kampagne anheizte. Ende 1835 wurden sämtliche Schriften
Gutzkows, Wienbargs und Laubes in Preußen verboten. Kurz darauf wurde dieses Verbot auch auf die
Schriften Heinrich Heines und anderer ausgedehnt. Auch eine zehnwöchige Gefängnisstrafe in
Mannheim und das Verbot seiner Publikationen waren für Gutzkow die Folge. Dies diente auch als
Scheingrund um die vielen anderen progressiven Schriftsteller einzuschuchtern und ihre Arbeiten zu
verbieten.14
Wehrend seiner Haft im Gefängniss in Mannheim verfasste er siene Schrift Zur Philosophie der
Geschichte (1836). Nach der Wiedererlangung seiner Freiheit ist er nach Frankfurt zurückgekehrt und im
Sommer des Jahres 1836 heiratete er Amalie Klönne, mit der er in der Folge drei Söhne hatte. Ende
1837 lernte er in Berlin Bettina von Arnim kennen und besuchte eine Reihe literarischer Salons. Ab 1838
gab er in Hamburg den Telegraph für Deutschland heraus, an dem unter anderem Friedrich Engels,
Friedrich Hebbel und Georg Herwegh mitarbeiteten, und wurde zu einem der eminenten deutschen
Kritiker.
1839 läutete Gutzkow eine neue Epoche in seinen litrarischen Aktivitäten ein mit der Uraufführung
seines ersten Dramas Richard Savage, Sohn eine Mutter in Frankfurt, das zum großen Bühnenerfolg in
allen deutschen Theatern wurde. 1840 erschien Gutzkows Biographie über Ludwig Börne.15
13 Zeno Digitale Bibliothek: Karl Gutzkow Biographie
14 Editionsprojekt Karl Gutzkow
15 Wikipedia: Karl Gutzkow
5
1842 reiste Gutzkow erstmals nach Paris, wo er unter anderem George Sand kennen lernte. Den
Frühling und Frühsommer verbrachte er in Oberitalien, in Mailand und am Comer See. Ende des Jahres
zog er nach Frankfurt. Mitte 1843 wurden seine Werke endlich von der Zensur ausgenommen, worauf er
wieder legal unter seinem Namen arbeiten konnte. In diesem Jahr läuft auch die Uraufführung des
Lustspiels Das Urbild des Tartüffe, das zahlreiche satirische Seitenhiebe gegen die Zustände im
Vormärz enthält.
Von seinen vielen anderen Theaterstücken nur wenige wurden aufgenomen in das Reperoire der
deutschen Theatern, wie z.B. Der Konigsleutnant (1849) und seine wahrscheinlich beste Tragödie Uriel
Acosta (1847). Das historische Lustspiel Zopf and Schwert (1844) wird für die königlichen Bühnen
Preußens verboten.
1845 erschienen seine Wiener Eindrücke - das Ergebnis seiner Wien-Reise. Das Buch führte zu einem
Verbot seiner Werke für Österreich. Auch wurden seine Gesammelten Werke in 13 Bändern
veröfentlicht.
Zwischen 1846 und 1849 war Gutzkow Hofdramaturg des Königlichen Theaters in Dresden, wohin er mit
seiner Familie auch umzog. Aber auch in der Zwischenzeit hat er das Schreiben nicht vernachlässigt.
Der 1838 erschienen Roman Seraphine wurde 1838 gefolgt von dem Roman Blasedow und seine
Söhne, einer Satire über die Bildungstheorien dieser Zeit.
Im März 1848 war Gutzkow während des Beginns der Revolution in Berlin. Als Reaktion auf die
Ereignisse dort veröffentlichte er seine Flugschrift Ansprache an das Volk. Im April des Jahres starb
seine Frau. 1849 kandierte er in Berlin für die Zweite Preußische Kammer. Im selben Jahr heiratete er
eine Kusine seiner ersten Frau, Bertha Meidinger, mit der er in der Folge drei Töchter hatte.16
Von Juli 1850 erschienen die ersten beiden Bücher seines großen Zeit- und Gesellschaftsromans Die
Ritter vom Geiste fortsetzungsweise in der Beilage zur Leipziger Deutschen Allgemeinen Zeitung. Dieser
wurde zum grossen Erfolg und verhalf der Entwicklung des modernen deutschen Sozialromans. Anfang
1852 lag der Roman vollständig in Buchform vor: eun Bände mit einem Umfang von etwa 3.500 Seiten.
In diesen Roman schildert er die norddeutschen Verhältnisse nach der Revolution von 1848 und bietet
eine grosse Zahl von Personen auf.17
Nach 1848 entwarf Gutzkow - aus dem Wunsch heraus, mit seinen Romanen wirklich die Totatlität des
gesellschaftlichen Geschehens zu erfassen - die Technik des „Romans des Nebeneinander“, in dem der
Inhalt in mehrere parallele Geschehensstränge zerfällt, die in den einzelnen Kapiteln unverbunden und
austauschbar nacheinander dargestellt werden. Auf diese Weise übertrug er in seinem Werk Die Ritter
vom Geiste und später im antiklerikalen Roman Der Zauberer von Rom die Technik des franzözischen
Roman-Feuilletonisten Eugéne Sue auf die deutsche Literatur.18
Ab September 1852 gab Gutzkow die Wochenzeitschrift Unterhaltungen am häuslichen Herd heraus,
nach dem Model von Dicken's Household Words, die er bis 1862 betreute und die danach sein
wichtigster Mitarbeiter Karl Frenzel herausgab. Ab 1858 erschien Gutzkows zweiter Großroman Der
Zauberer von Rom, eine Studie des Lebens der römischen Katholiken in Süddeutschland, der erst 1861
abgeschlossen wurde und wie schon die Ritter vom Geiste gleichfalls neun Bände umfasst. Trotz großer
beruflicher Erfolge und allgemeiner Anerkennung erlitt Gutzkow diverse Nervenzusammenbrüche und
unternahm zahlreiche Selbstmordversuche. Er kam in die Heilanstalt St. Gilgenberg bei Bayreuth, wo er
bis zu seiner Entlassung im Dezember 1865 blieb.
16 Wikipedia: Karl Gutzkow
17 Geschichte der deutschen Literatur. S.198, 199
18 Kleine Geschichte der deutschen Literatur. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. S.196
6
Geldnöte ließen Gutzkow im Jahre 1861 den Posten des Generalsekretärs der Weimarer Schillerstiftung
übernehmen, an deren Gründung 1859 er entscheidend mitgewirkt hatte. Ende 1864 legte Gutzkow sein
Amt nieder.19
Im Jahre 1867-68 erschien Gutzkows Roman Hohenschwangau, 1869 wurde sein Stück Der
westphälische Friede uraufgeführt, 1870 ist der Roman Die Sohne Pestalozzis erschienen. Ende dieses
Jahres zog er nach Berlin.
Ab 1873 hatte Gutzkow erneut mit schweren psychischen Problemen zu kämpfen; wiederholt kam es zu
Anfällen von Paranoia. 1875 zog er nach Heidelberg. 1877 erschien sein letzter Zeitroman Die neuen
Serapionsbrüder. In diesem Jahr zog er nach Sachsenhausen bei Frankfurt am Main. Am 16. Dezember
1878 kam Gutzkow hier schlafend bei einem Schwelbrand ums Leben. Beigesetzt wurde er am 19.
Dezember auf dem Frankfurter Hauptfriedhof.
Gutzkow war einer der ersten deutschen Berufsschiftsteller. Der Zwang, sich auf dem Markt behaupetn
zu müssen, führte zu wachsender Selbstentfremdung und zu Widersprüchen bei seinem Ziel, den
aufrechten Gang durch literarische Aufklärung zu fördern. Er war ein geschündenes Leben, angefüllt mit
unablässigem Streit, manifestem Verfolgungswahn und wachsender Depression: eine der vielen
Varianten gestörter deutsche Bürgerlichkeit. Gutzkow erstickte, halb betäubt von einem Schlafmittel, im
Rauch der umgestürzten Lampe, nachts im Bett. Dieses Leben, das nach Theodor Fonante eine “schon
bei Lebzeiten beisetegeworfene Existenz” war, hat Gutzkow in seinen Briefen und den Autobiographien
Aus der Knabenzeit und Rückblicke auf mein Leben selber fesselnd beschrieben.20
Gutzkow war nie ein Revoluzionär und mit den Jahren wurde er mehr konservativ. Er war einer der
ersten deutschen Schriftstellern, der versuchte sein Geld mit dem Schreiben zu verdienen. Mit seinem
Drama Uriel Acosta und auch anderen Werken hat er sich für die Emanzipation der Juden eingesetzt.21
In seinen Werken offenbart Gutzkow seine radikal-liberale politische Weltsicht. Seine kontroversen
Romane und Spiele haben den sozialen und politischen Liberalismus in Deutschland gefördert und
hatten Einfluss auf die Ansichten über das moderne Deutschland. Sein Werk wird immer eine
Faszination ausüben als eine Art Spiegel, in dem die Bemühungen um das intelektuelle und sozialle
Neuverständniss reflektiert werden.22
19 Encarta Online-Enzyklopädie 2008: Karl Gutzkow
20 Metzler Autoren Lexikon. Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart. S.232
21 Classic Encyclopedia: Karl Ferdinand Gutzkow
22
? German Literature Companion: Karl Ferdinand Gutzkow
7
WALLY, DIE ZWEIFLERIN
Des Friedens Wund' ist Sicherheit,
Des Friedens Wund' ist Sicherheit,
Sorglose Sicherheit; doch weiser Zweifel
Wird Leuchte der Vernunft, des Arztes Sonde,
Der Wunde Grund zu prüfen.
Shakespeare
Karl Ferdinand Gutzkow, Schriftsteller, Journalist und Literaturkritiker, wurde am 17. März 1811 als Sohn
eines preußischen Hofangestellten in Berlin geboren. Der gesellschaftliche Kontext, in welchem er lebte
und arbeitete, ist demnach die Reaktionsepoche zwischen Wiener Kongreß und 48er Revolution. Rainer
Funke hat den historischen Erfahrungshorizont Gutzkows und seiner Zeitgenossen treffend
zusammengefaßt: „Die politische und sozio-kulturelle Gesamtsituation war zwar einerseits
gekennzeichnet von jenem unerträglichen Maß an politischer Stagnation, Restitution des fürstlichen
Partikularismus und bürokratisch - obrigkeitsstaatlichen Restriktionen ... doch zugleich war sie auch
geprägt von tiefgreifender sozialer Dynamik, verstärktem Nationalbewußtsein, von technischem
Fortschritt, liberalem Konstitutionalismus, von gesellschaftlichem Aufstieg und von Proletarisierung
gleichermaßen“.23 Kurz: eine Zeit der Gegensätze, des Umbruchs und der Veränderung.
Um 1830 fand die literarische Jugend Deutschlands, die Dichtung müsse in lebendige Verbindung mit
der politischen, weltanschaulichen und sozialen Gegenwart gebracht werden. Tonangabend in dieser
Zeit wurde die kleine Gruppe Juges Deuschland, zu der auch Karl Gutzkow gehörte. Dieser prägte für
seine Kampfgenossen das Wort: „Der Zweck unserer Zeit ist der Bürger, nicht mehr der Mensch“.24 Oder
„Die Moderne Geschichte baut nicht mehr aus den Massen auf, sondern aus Individualitäten“.25 Er wollte
dem Programm gemäß vor allem auf seine Zeit wirken.
Karl Gutzkow hat sienen controversen Roman Wally, die Zweiflerin inerhalb von wenigen wochen
geschrieben, beginnend im Juni 1835. Am 5. Juni hatt er seinem Herausgeber berichtet, dass er intensiv
an dem Werke arbeite und hoffe, es innerhalb der nächsten 2 Wochen zu beenden. Am 10. July schreibt
er an Gustav Scheseir, das er das Buch fertig hatt. Schließlich, am 23. in einem Brief an Georg Büchner
äußerte sich Gutzkow über seinen Roman wie folgt: "Zuletzt hab` ich in der Hast von 3 Wochen
(schnelle Arbeiten sind die besten) einen Roman geschrieben: Wally, die Zweiflerin". Hier, wie in
anderen Dokumenten dieser Zeit, wird deutlich, dass Gutzkow bestrebt sein musste, schnell und viel zu
schreiben, wenn er durch Literatur seinen Lebensunterhalt sichern wollte. Dabei trat die Tatsache
erschwerend hinzu, dass Gutzkow noch relativ unbekannt war und seine ersten Erfolge bestätigen
musste, um für den Literaturbetrieb interessant zu bleiben.26
Als der Roman Wally, die Zweiflerin im Sommer 1835 herauskomt, wird er praktisch zum Bestseller,
natürlich in den Massstäben der damaligen Zeit. Jedoch der Versuch, Literatur als ein Werkzeug zu
gebrauchen zu Verenderung der eingewurzelten Vorurteile und etablierung neuer sozialen und
politischen Verhältnisse wurde zum einem abrupten Ende gebracht durch den Beschluß des Bundestags
vom 10. Dezember 1835. Hier wurden zum ersten Mal in der deutschen Geschichte sämtliche Arbeiten
einer genau eingegrenzten Gruppe von Schriftstellern verboten. Es wurde beschloßen, „gegen die
Verfasser, Verleger, Drucker und Verbreiter der Schriften aus der unter der Bezeichnung ,das junge
Deutschland´ oder ,die junge Literatur´ bekannten literarischen Schule, zu welcher namentlich Heinrich
Heine, Karl Gutzkow, Heinrich Laube, Ludolf Wienbarg und Theodor Mundt gehören“ vorzugehen.27
23 Jan Jansen: Karl Gutzkows Biographie und "Wally, die Zweiflerin": Eine Annäherung an das "Junge Deutschland"
24 Geschichte der deutschen Literatur. S.200
25 Deutsche Literatur in Schlaglichtern. S.289, 290.
26 Das Haus Düsterweg and Wally, die Zweiflerin: A note on the Alexis-Gutzkow connection.
27 Deutsche Literatur in Schlaglichtern. S.289
8
Die im Bundestag erhobenen Vorwürfe gegen die Jungdeutschen, dass ihre „Bemühungen unverholen
dahin gehen, in belletristischen, für alle Klassen von Lesern zugänglichen Schriften die christliche
Religion auf die frechste Weise azugreifen, die bestehenden sozialen Verhältnisse herabzuwürdigen und
alle Zucht und Sittlichkeit zu zerstörren“, bezogen sich vor allem auf Laubes Die Poeten, Mundts
Madonna. Unterhaltungen mit einer Heiligen und nicht zuletzt Gutzkows Wally, Die Zweiflerin.28
Der Bundestag argwöhte Verschwörung, wo keine war. Die Betroffenen Autoren bildete keine
Organisation, sie lassen sich auch nicht als „literarische Schule“ zusammenfassen. Die für die
Restauration anstößigen, gar gefährlichen Themen und Tendenzen der „jungen Literatur“ nach der
Julirevolution von 1830 sind in dem Beschluß jedoch zutrefend bezeichnet.29
Gutzkow wurde anhang von Wally der Blasphemy beschuldigt und der Missachtung der Katolischen
Kirche. Später wurde er des Vorwurfs der Blasphemie freigesprochen aber wurde für Schuldig befünden
für das andere Vergehen und eingesperrt.
Also war war das spektakuläre, das gefährliche an dem Roman und seinem Autor ? Warum mußte der
Deutsche Bund besorgt sein, daß „die Grundpfeiler aller gesetzlichen Ordnung“ durch Gutzkow und Co.,
bzw. durch ihre Schriften, gefährdet würden?
Als der Roman im August 1835 erschien, verursachte er einen hanfesten Skandal. Man warf ihm
Unsittlichkeit und Gotteslästerung vor aufgrund seiner freimütigen erotischen Darstellung bzw. seines
freisinnigen Umgangs mit Fragen der Religion. Das Werk, dass heute als der erster moderner
Frauenroman angesehen wird, wurde schon kurze Zeit nach seiner Veröfentlichung verboten. 1835
wurden Gutzkows bisherige Publikationen verboten, in Prußen sogar auch die künftigen, und erst 1842
wieder zugelassen - ein bis dahin noch nicht da gewesener Akt staatlicher Gewalt gegen freie
Schriftsteller, der einem Berufsverbot gleichkam.30 Auch eine zehnwöchige Gefängnisstrafe in Mannheim
und das Verbot seiner Publikationen waren die Folge für Gutzkow und er wurde Anfang 1836 wegen
„Verächtlichmachung der Religion“ zu drei Monaten Gefängnis verurteilt.
Wally, die Zweiflerin bildete also nicht nur den Anlass scharfer Kritiken, sondern war zugleich Auslöser
des Verbots der unter dem schlagwortartigen Ausdruck Junges Deutschland gefassten Autorengruppe.
Dieses Verbot löste die Aktion gegen die Autoren des Jungen Deutschland aus, wobei besonders
Wolfgang Menzels - Gutzkows ehemaligen Freundes - Eintreten gegen die „Unmoral“ des Buches, die
Kampagne anheizte. Der Literaturkritiker Menzel hatte das Buch einer vernichtenden Kritik unterzogen;
ausgedehnte persönliche, polemische Schimpfattacken verbanden sich hier mit moralischer, religiöser
und politisch-nationaler Argumentation. So schrieb Menzel, z.B. das: „...Sein Roman ist voll kränklicher,
raffinirter, ausgedüftelter Wollust. Der Verfasser glaubt nicht pikant genug seyn zu können und entblößt
seine Geliebte gleichsam auf offner Straße, um sich bemerklich zu machen. Die gute Person muß sich
schämen, sich geschämt zu haben, und das ist die witzige Pointe.“31
Ende 1835 wurden also sämtliche Schriften Gutzkows, Wienbargs und Laubes in Preußen verboten.
Kurz darauf wurde dieses Verbot auch auf die Schriften Heinrich Heines und anderer ausgedehnt. Es
war Ironie, dass was für eine Interesse dieses Werk auch in seinem Kern wecken konnte, wurde dieses
noch angeschürt von Menzel´s Kritik und dem Handeln des deutschen Bundestags, der nicht nur
Gutzkow selbs für 3 Monate inhaftieren lies, sondern verbot auch alle von ihn geschriebenen Werke und
auch alle, die er noch in der Zukunft schreiben möchte und sogleich wurde er auch seines Amtes als
Herausgeber im ganzen Land enthoben.32
28 Deutsche Literaturgeschiche: von den Anfängen bis zur Gegenwart. S.220
29 Deutsche Literatur in Schlaglichtern. S.289
30 Metzler Autoren Lexikon. Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart. S.231
31 Literaturkritik. Geschichte-Theorie-Praxis: W. Menzel: K. Gutzkow, Wally, die Zweiflerin
32 Encyclopædia Britannica Online: Karl Gutzkow
9
Also gerade dank der bedeutenden Stellung des Cotta’schen Literatur- Blattes, dessen leitender
Redakteur Menzel war, wurde die Aufmerksamkeit auf den Roman gelenkt - in der Folge der
Menzelschen Kritik fand das Buch eine beachtliche öffentliche Resonanz. Wie Jan Jansen schrieb: „...es
wurde die „folgenreichste jungdeutsche Veröffentlichung“. Nicht nur daß er einen „literarischen
Bürgerkrieg“ mit 84 Folgepublikationen nach sich zog, die Auseinandersetzungen und insbesondere die
Angriffe Menzels lieferten den reaktionären Bündnispartnern die Argumente für die Verbotsverfügung
vom Dezember 1835.“33
Karl Gutzkows berüchtigter Roman Wally, die Zweiflerin (1835) erzählt die Lebensgeschichte einer
emanzipierten, jedoch innerlich zerrissenen jungen Frau der gehobenen Gesellschaft. Die Protagonistin,
verstört von religiösen Zweifeln, steht zwischen einem ungeliebten Ehemann und ihrem Geliebten, von
dem sie schließlich verlassen wird.
Wally, eine verwöhnte, und in der Zeit auch eine kokette junge Frau geht auf Wunsch des Vaters eine
Ehe ein und willigt ein einen sardinischen Gesandten zu heiraten, denn sie aber nicht liebt. Schon vorher
ist sie nämlich eine emotionälle Ehe mit Cäsar eingegangen, einen zynischen Man von Welt, der ihren
unbestimmten, wagen und irationällen Glauben untergräbt. Sie vermählt sich „geistig“ mit Cäsar, indem
sie sich ihm nackt zeigt.
Der Eheman von Wally, angebtrieben von finanziellen Gründen, unterstützt die Leidenschaft, die sein
Bruder Jeronimo für Wally empfindet. Diese Episode endet aber tragisch mit dem Selbstmord von
Jeronimo. Er schiesst sich mit einem Revolver in den Kopf, was Wally mit ansehen muss.
Dieses Geschäniss war letzt endlich das, was Wally dazu brachte den entscheidenden Schritt zu
machen und sie verlässt ihren ungeliebten Eheman um mit Cäsar zu fliehen. Dieser wendet sich aber
einer anderen zu, er verlässt Wally wegen der reichen Judin Adolfine, die er auch später heiraten wird,
trotz des Fakts, oder vieleicht gerade des wegen, dass er Christ ist und sie Judin und sie so nicht eine
kirchliche Hochzeit haben können. „...Cäsar entdeckt, glaub' ich, in der Liebe zu Jüdinnen noch einen
andern Reiz. Er hat eine ganz heillose Ansicht von der Ehe und will die letztere durchaus nicht als ein
Institut der Kirche gelten lassen. Das Sakrament der Ehe ist nach seiner Theorie die Liebe, nicht des
Priesters Segen. Wie glücklich würde Cäsar sein, wenn er je heiratete, es ohne kirchliche Zeremonie tun
zu dürfen!“ „...Eine Ehe zwischen einer Jüdin und einem Christen kann zwar nicht bei uns, aber in
andern Ländern geschlossen werden; natürlich ist dies eine Ehe ohne den christlichen oder jüdischen
Priester; es ist eine rein zivile Ehe vor den Gerichten, ein Akt der geselligen Übereinkunft.“34
Wally, nun ganz alleine gelassen ohne ihre Liebe und ihren Glauben erdolcht sich, sie sticht sich selbst
ein Messer in das Herz.
Wally ist eine junge Adlige die ein unbeschwertes, aber fades Leben zwischen geselligem Geplauder,
gesellschaftlichen Verpflichtungen und Kuraufenthalten führt. Die Begegnung mit dem Skeptiker Cäsar
und die eingehende Beschäftigung mit seinen unorthodoxen, oft provokanten Thesen zu Religions- und
Glaubensfragen erschüttern die an einem religiösen Tick leidende Wally und münden in ihren
Selbstmord. Der Skeptiker Cäsar ist eine in Charakter und Überzeugungen komplementäre Figur zur
Wally. Dieser brilianter und kalter Zyniker umwerbt und zugleich emanzipiert Wally, lässt sie an dem
Christentum zweifeln, und letzt englich bringt er sie zu Verzweiflung.
Die junge Wally und ihr Freund Cäsar ringen in dem Roman um sexuelle Freiheit, zweifeln am
Christentum und wollen alle Konventionen über Bord werfen. In diesen Roman verbindet Gutzkow die
Kritik an der herschenden religiösen Orhodoxie provokativ mit der Forderung nach freier Liebe.
33 Jan Jansen: Karl Gutzkows Biographie und "Wally, die Zweiflerin": Eine Annäherung an das "Junge Deutschland"
34 Wally, die Zweiflerin. S.91, 92
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Aufgrund dieser modernen Ideen und seiner libertären Sexualmoral wurde das Werk von der
preußischen Zensur verboten der 24-jähriger Gutzkow bekommt im reaktionären Klima des Vormärz
Ärger mit der Obrigkeit. Gutzkows innovativer Roman griff beides an, wie die christliche Sichtweise der
Ehe an sich so auch die Orthodoxie in der Religion und sorgte damit im Jahr 1835 für einen handfesten
Skandal. Auch iste er gegen den Glauben an die Offenbarung und die Religiösität an sich gerichtet.
„...Dem Begriffe Offenbarung läßt sich vielleicht eine philosophische Unterlage geben, pantheistischer
Art; aber im herkömmlichen theologischen Sinne ist die Offenbarung eine Verfälschung der Natur und
der Geschichte...“35 Es war gerade dieser Angriff and die Institution der Ehe angefärbt mit religiösem
Skeptizismus, dass den Beginn der Revolte des Jungen Deutschlands ankündigte.36
Der Roman wurde später bearbeitet und 1852 neu herausgegeben under dem Titel Vergangene Tage.
Gutzkow schrieb in dem Vorwort zu deiser Edition, das er mit der Beschreibung von Wally´s Schicksal
eine wahre begebeiheit bearbeiten wolle, und zwar den Selbstmord von Charlotte Stieglitz in 1834.37
Charlotte Willhöft heiratete 1828 Heinrich Stieglitz. Ihr Selbstmord verurschachte eine öffentliche
Erregung, denn sie hatt deklariert, dass der Grund dafür sei es, ihren Man ein tragisches Erlebniss zu
verschaffen, welches seinen Geist anregen solle und so seine kreativen Kräfte frei lassen würde.38
Der Roman Wally, die Zweiflerin beginnt mit einem Motto, einem Zitat von Shakspeare. Danach
unterteilt es sich in 3 Bücher. Das Erste Buch umfasst 12 Kapitel, das Zweite Buch 10 Kapitel. Das Dritte
Buch besteht aus 2 Teilen, Wallys Tagebuch und Cäsars Geständnisse über Religion und Christentum.
Während in großen Teilen der Bücher Einz und Zwei ein ein allwissender Erzähler mit unbegrenzten
Zugang zu allen Informationen der erzählten Welt, der durch Reflexionen, Kommentare und direkte
Ansprache des Lesers in Erscheinung tritt, besteht das Dritte Buch fast ausschließlich aus
Tagebucheinträgen von Wally.39 Den letzten, manchal auch als Vierte Buch bezeichneten, Teil bildet
Gutzkows Anhang Wahrheit und Wirklichkeit. Zu manchen Ausgaben wird am Ende auch die
mehrseitige Kritik von Menzel beigelegt, die im von ihm redigiertem Literatur-Blatt Nr. 93 und Nr. 94
vom 11. September und 14. September 1835 erschienen ist. Wie es bei Balzer und Martens heisst:
„...Der Auslöser der „Denunziation“, der polemischen Rezension W. Menzels, war vor allem Gutzkow´s
Anhang, Geständnisse über Religion und Christetum, die Entmythologisierung des Christetums
propagiert hatte und zugleich, durch eine eher pubertäre erotische Szene des Romans, die
„Emanzipation des Fleisches“.“40
Der Roman der Jungdeutschen konzentriert sich auf Zeit- und Gesellschaftskritik, so auch Wally, die
Zweiflerin, den man als ersten moderenen deutschen Frauenroman ansehen kann. Er die politischen,
sozialen und philosophischen Strömungen seiner Zeit - des Vormärz - wieder; zum Zeitpunkt seines
Erscheinens spielt er in der Gegenwart und kann somit als Zeitroman typisiert werden. Den
Jungdeutschen wird der Zeitroman zu einer der wichtigsten literarischen Formen. Der Zeitroman
entstand im 19. Jahrhundert in Deutschland als eine realistische Gattung. Er ist mit dem
Gesellschaftsroman verwandt, beansprucht aber, über das Gesellschaftsleben hinaus die wichtigsten
Strömungen und Tendenzen der Gegenwart des Autros zu erfassen.41 Verbindend für diese Zeit waren
die Ablehnung des sich absolut setzenden Staates und religiöser, moralischer und sozialer
Konventionen und Dogmen, das Eintreten für individualismus, Gedanken- und Meinungsfreiheit. Die
Philosphie der Junghegelianer förderte die religöse Distanz und den Diesseitzglauen. Im Postulat der
35 Wally, die Zweiflerin. S.107
36 Encyclopædia Britannica Online: Wally, die Zweiflerin
37 German Literature Companion: Wally die Zweiflerin
38 German Literature Companion: Charlotte Stieglitz
39 Inga Bones: Religionskritik in Karl Gutzkows "Wally, die Zweiflerin" - eine Analyse
40 Deutsche Literatur in Schlaglichtern. S.289, 290.
41 Jugendlexikon Literatur. Epochen, Gattungen, Grundbegriffe. S. 188, 189, S. 404.
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Frauenemanzipation und der Freiheit in den Geschlechterbeziehungen war man sich vielfach mit
Gedanken der Frühromnatik einig.42
Wie Inga Bones schreibt: „...Die öffentliche Aufregung um Gutzkows Wally war zwar zu einem nicht
unbeträchtlichen Teil den harschen und ausfallenden Kritiken Wolfgang Menzels geschuldet, dennoch
berührte der Roman gesellschaftliche Tabus: Religionskritische Fragestellungen und Reflexionen - über
den Wert der Ehe, die Möglichkeit der Selbsttötung etc. - ziehen sich wie ein roter Faden durch das
Buch, kulminieren jedoch in den Geständnissen Cäsars, die sich kritisch mit drei Epochen der
Religionsgeschichte auseinandersetzen: Antike (Entstehung des Christentums), Mittelalter (Reformation)
und Neuzeit (Aufklärung).“43
Wally, die Zweiflerin ist ein literaturgeschichtlich sehr umstrittener Roman. Natürlich gab es deshalb,
neben der harschen Kritik Menzels gerichtet gegen die Anti-religösen richtugen und sexuelle Offenheit,
auch später Kritiker, die sich über Gutzkow äußerten. Wie z.B. Frey schreibt: „... So wird er vom Kritiker
Fester als "folgenschwere Jugendsünde eines bedeutenden Mannes" eingeschätzt und Sengle sieht in
ihm die Arbeit des "halben Talente(s)" Gutzkows, von dem "sich die Literaturgeschichte noch immer (...)
blenden lasse.“44
42 Atlas der deutschen Literatur. Tafeln und Texte. S.201
43 Inga Bones: Religionskritik in Karl Gutzkows "Wally, die Zweiflerin" - eine Analyse
44 Hanno Frey: Kurzvortrag zu Gutzkows Wally, Die Zweiflerin
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Mögliche Motive des Autors
Gutzkows Motive werden ausführlich in Hanno Frey´s Kurzvortrag beschrieben: „Letztendlich ist der
Roman wohl auch vor allem deshalb schwierig zu beurteilen, weil die Motive, aus denen heraus
Gutzkow ihn schrieb, miteinander schwer zu vereinbaren waren. Die Fragen, die Gutzkow in seinem
Roman aufwirft und behandelt, entsprachen der zeitgenössischen Diskussion und hatten für Gutzkow
zudem auch persönliche Bedeutung.
Über die intendierte Aussage seines Romans äußerte er sich einmal so "wenn er (der Roman) eine
Tendenz hatte, war es diese, in einer Kirche, wo ich meine heuchlerischen Freunde beten sah, eine
Rakete aufsteigen zu lassen". Wie im Roman deutlich wird, richtet sich Gutzkow tatsächlich gegen die
Verlogenheit der bürgerlichen Gesellschaft und die Doppelmoral, die Christentum und Lebensstil in ein
starkes Spannungsverhältnis setzt. Allerdings ging es ihm keinesfalls darum, dieses
Spannungsverhältnis aufzulösen und das Christentum mit der modernen Zeit in Einklang zu bringen;
eher beabsichtigte er, das Christentum als generell weltfremd darzustellen.
In Wally beschreibt er das Unmögliche: Verhältnisse, in denen die Institutionen in Sitte, Meinung und
politischer Einrichtung suspendiert sind, denn an sie Glauben wir (nach Gutzkows Meinung) zu Unrecht.
Der Roman geht der Frage nach, was passiert, wenn wir all das über Bord werfen und er zeigt ein
glückliches (Cäsar) und ein unglückliches (Wally) Ende.“45
Das diese Motive nur sehr begrenzt vereinbar waren, dürfte einleuchten wenn man sich noch einmal vor
Augen führt, was Gutzkow eigentlich erreichen wollte: innerhalb drei Wochen ein künstlerisch wertvolles
Produkt abliefern, dass am Puls der Zeit sein sollte. Es sollte profitabel sein und Zustände der Zeit derart
scharf kritisieren, dass seine heuchlerischen Freunde dadurch entlarvt werden.
45 Hanno Frey: Kurzvortrag zu Gutzkows Wally, Die Zweiflerin
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