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PHANTASTISCHE KINDER- UND JUGENDLITERATUR

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PHANTASTISCHE KINDER- UND JUGENDLITERATUR


1. Kinder- und Jugendliteratur Allgemein

1.1.

Definition Kinder- und Jugendliteratur

1.2.

Kriterien zur Bewertung von Kinder und Jugendliteratur

2. Phantastische Kinder- und Jugendliteratur

2.1.

Definition

2.2.

Geschichte der phantastischen KJL

2.3.

Unterteilung phantastischer KJL

2.4.

Themen, Motive und Merkmale der phantastischen KJL

2.5.

Funktionen der phantastischen KJL

3. Literaturverzeichnis

3.1. Primärliteratur

3.2. Sekundärliteratur

1. Begriffsbestimmung Kinder- und Jugendliteratur

1.1. Definition

Es ist wahrlich schwer eine Definition für dieses interessante und traditionelle

Teilgebiet der Literatur zu finden. Die erstmalige Erscheinung dieses Begriffs geht bis

ins 18 Jahrhundert zurück, auch wenn schon vor dieser Zeit Strömungen in diese

Richtung vorhanden waren.

Heimito von Doderer (1896-1966) war einer der ersten, der versuchte

Bezeichnungen für die Kinder- und Jugendliteratur zu finden. Nach ihm zählen

Kinderbücher, Jugendbücher, Kinderschrifttum, Jugendschrifttum, Kinderlektüre und

Jugendlektüre zu dieser Gattung.

In den 60er Jahren des 20 Jahrhunderts kam es zur Klassifizierung der KJL durch

Brüggemann indem er zwischen JL im weiteren Sinn und JL im engeren Sinn

unterscheidet. Wobei es sich bei ersteren um all dies handelt, was die Jugend bis ca.

zum 20 Jahr liest, sei es in oder außerhalb der Schule (Bezug zu Karl Langosch). Im

engeren Sinn sei Jugendliteratur die Literatur, die eigens oder hauptsächlich für sie

geschrieben oder publiziert wird.

Baumgärtner dagegen nutzt das Ordnungsprinzip der Herkunft der Literatur. Er

unterscheitet zwischen originärer Jugendliteratur, übernommener

Erwachsenenliteratur und adaptierter Erwachsenenliteratur. Unter originärer Literatur

versteht Baumgärtner die Texte die von ihren Autoren als Lektüre für Kinder und

Jugendliche und als nichts sonst geplant und organisiert wurden. Übernommene

Erwachsenenliteratur sind Texte „...die ursprünglich nicht Jugendliteratur waren, aber

im Verlauf bestimmter Entwicklungsprozesse Jugendlektüre geworden sind [Bsp.

Gebrüder Grimm, Die Leiden des jungen Werder]. Dagegen spiegelt adaptierte

Erwachsenenliteratur jene Literatur wieder die „...vom Ursprung auch

Erwachsenenliteratur war, aber durch Bearbeitung im Hinblick auf

Rezeptionsmöglichkeiten der Heranwachsenden zur Jugendlektüre wurde.“ [Bsp.

Robinson Crusoe]

Im Allgemeinen nun kann man sagen, dass KJL Bücher und Texte für

Heranwachsende sind - vom Kleinkind bis zum Jugendlichen. Zur KJL gehören

Märchen, Fabeln, Legenden, Sagen, Mythen, Reime, Erzählungen, Romane,

Theaterstücke und Sachbücher. Alle sind verbunden durch eine Gemeinsamkeit,

nämlich dem Gegenstand als ein Textkorpus. Das heißt auch sie sind eine Gruppe

von Texten mit bestimmten Gemeinsamkeiten mit einem oder einer Reihe identischer

Merkmale.

Zu unterscheiden sind historisch gesehen zum einen Texte, die der religiösen oder

schulischen Erziehung sowie der gesellschaftlichen Bildung dienen, und zum

anderen belehrend-unterhaltende Formen.

„Kinder- und Jugendliteratur ist die Bezeichnung für den Bereich der Literatur, der für

Kinder und Jugendliche bestimmt ist oder von diesen rezipiert wird.“

(Vgl. siehe: Sachwörterbuch zur deutschen Literatur Volker Meid, Reclam, Stuttgart

1999)

„Als intentionale Kinder- und Jugendliteratur wird diese ausdrücklich geschriebene

bzw. veröffentlichte Literatur, für Kinder und Jugendliche bezeichnet, was nicht

heißen soll, dass nicht auch Erwachsene Kinder- und Jugendliteratur lesen können.

Werke der Erwachsenenliteratur, wie zum Beispiel „Don Quijote“, „Robinson Crusoe“,

etc. waren bereits oft Erwachsenenlektüre bevor sie dem jugendlichen oder

kindlichen Verständnis angepasst wurden.“ (Vgl. siehe: Sachwörterbuch zur

deutschen Literatur Volker Meid, Reclam, Stuttgart 1999)

„Kinder- und Jugendliteratur unterstützt die Entwicklung des Heranwachsenden. Für

jede Altersstufe gibt es entsprechend didaktisch aufbereitete Literatur, die dem

jungen Leser helfen soll, sich und seine Umwelt besser zu verstehen.

Bücher und Texte für Heranwachsende- vom Kleinkind bis zum Jugendlichen.“

(Microsoft Encarta 1999 Enzyklopädie)

„Zur Kinder- und Jugendliteratur gehören Märchen, Sagen, Legenden, Fabeln,

Mythen, Reime, Erzählungen, Romane, Theaterstücke und Sachbücher.“

(Microsoft Encarta 1999 Enzyklopädie)

1.2. Kriterien zur Bewertung von Kinder- und Jugendliteratur

1. Themenbereiche

:

 an Erfahrungswelt der Kinder anknüpfen
 Spannungsfeld aufbauen
 Freiraum für eigene Phantasie bieten
 Normen und Werte vermitteln  Lernfunktion

2. Gestaltung:

Inhaltlich

 Personen
 Überschaubarer Ort der Handlung
 Vereinfachte Handlung
 Überschaubarer Zeitraum der Handlung

Sprachlich

 Vereinfachte Satzformulierung und Wortwahl
 Wortschatz der Kinder berücksichtigen
 Verständliche Sprechweise
 Kurze einfache Sätze
 Absätze
 Bildhaftigkeit

Äußerlich

 Optisch ansprechend
 Länge des Buches/Textes
 In Kapitel unterteilt
 Schriftgröße und Bildgestaltung (Illustration)

2. Phantastische Kinder- und Jugendliteratur

2.1. Definition

Gerhard Haas definierte Phantastische Kinder- und Jugendliteratur folgendermaßen:

„Eine empirische alltägliche Welt steht einer Welt gegenüber, in der das

Außergewöhnliche geschieht. Interstellare Aktionen sind eine Selbstverständlichkeit.“

Doderer dagegen sagte: „Die Pantastische Kinder- und Jugendliteratur enthält neben

realistischen auch phantstische Elemente in Form phantastischer Welten,

Begebenheiten, Figuren oder Requisiten.“

Nach Koch sind Erzählungen der phantastischen Kinder- und Jugendliteratur

„Erzählungen, in der Wunderwelt und Wirklichkeit in einem oft merkwürdigen

Gegensatz nebeneinander existieren (im Unterschied zum Märchen).“

Ähnlich wie Koch sagen Klingenberg und Meißner es seien Texte, in denen eine

realistische und eine phantastische Welt nebeneinander stehen. 1

Maria Nikolajewa (1988) : „Der „primären Welt“, die der unseren gleicht, steht eine

„sekundäre Welt“ gegenüber, die durch Merkmale des magischen gekennzeichnet ist

und entweder geschlossen sein kann (Hobbit) oder offen (Alice im Wunderland) oder

(in Gestalt einer magischen Figur oder Sache) nur impliziert (Pippi Langstrumpf).“ 2

Tzvetan Todorov erklärt phantastische Literatur als Grenzphänomen zwischen der

Darstellung des unbezweifelt aufgenommenen, „unvermischt Wunderbaren“ in der

Gattung des Märchens und der Darstellung des „unvermischt Unheimlichen“ in der

Horrorgeschichte. 3

2.2. Geschichte der Phantastischen Kinder- und Jugendliteratur

1 www. Hausarbeiten.de/fächer/hausarbeit/lig.html
2 Günter Langer: Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur, Bd. 1, Schneiderverlag, Hohengehren GmbH,
2000; S. 188
3 Reinbert Tabbert „Phantastische Kinder- und Jugendliteratur“ S.187, in: Günter Langer: Taschenbuch der
Kinder- und Jugendliteratur, Bd. 1, Schneiderverlag, Hohengehren GmbH, 2000;

Bereits in der Aufklärung gab es phantastische Literatur zunächst für Erwachsene.

Die pädagogische Aufgabe in der Kinder- und Jugendliteratur bestand zu dieser Zeit

darin, gesellschaftliche Normen und Werte den Kindern nahezubringen. Man

empfand dazu die phantastische Kinder- und Jugendliteratur nicht als geeignet. Von

Bedeutung war es Kindern die Realtität zu verdeutlichen.

In der Romantik wurde auf Volkspoesie zurückgegriffen, wie Märchen, Sagen,

Legenden, Fabeln, volkstümliche Sprüche, Rätsel, Reime und Lieder. Hierzu zählen

zum Beispiel auch die Märchensammlung der Brüder Grimm. Also griff man die

Volkspoesie nicht nur einfach auf, sonderen verarbeitete sie weiter (Tieck, E.T.A.

Hoffmann, Hauff).

Das phantastische Element der Kinder- und Jugendliteratur verschwindet im

Biedermeier bis zum Realismus fast völlig. Das Phantastische wird nur solange

akzeptiert wie es nicht mit der Realtität in Konflikt steht.

Seit Mitte des 19 Jh. bildet sich in Endland die phantastische Kinder- und

Jugendliteratur heraus. Die Phantasie und Vorstellungskräfte wurden in der

kindlichen Entwicklung ernstgenommen. In England griff man neben den typischen

phantastischen Erzählungen auch die Volksmächen wieder auf und imitierte diese.

Im deutschsprachigen Raum gab es lediglich Übersetzungen aus dem Englischen.

Zum Beispiel: “Alice im Wunderland” (Carroll Lewis, 1865); “Pinnocchio” (Carlo

Collodi, 1881); „Marry Poppins“ (Pamela Travers, 1934); „Peter Pan“ (James M.

Barrie, 1911) ....

Nicht nur England hatte großen Einfluss auf die phantastische Kinder- und

Jugendliteratur. Auch die skandinavischen Länder trugen ihren Teil zur Literatur mit

bei. Hier taten sich zum Beispiel Selma Lagerlöf mit ihren Geschichten über Nils

Holgersson (1906/07) und Tove Jansson (Geschichten aus dem Mumintal, 1948)

und Astrid Lindgren (Pippi Langstrumpf u.a.) hervor.

Im 20. Jahrhundert begann auch in Deutschland eine eigenständige Bewegung der

phantastischen Kinder- und Jugendliteratur. Zunächst entstand im Jahr 1912 das

Theaterstück „Peterchens Mondfahrt“ von Bassewitz. Erich Kästner veröffentlichte

1931 das Buch „ Der 35. Mai oder Konrad reitet in die Südsee“ als ein Werk der

phantastischen Kinder- und Jugendliteratur.

Nach 1945 besinnt man sich zunächst wieder auf die Märchen oder literarische

Formen, die dem Märchen ähneln. Das liegt daran, dass in Märchen die zerstörte

Welt wieder geheilt wird. Nach der Zerstörung durch den 2. Weltkrieg wollen die

Menschen vor allem solche Geschichten lesen. Auch Tendenzen aus dem

Biedermeier werden wieder aufgegriffen.

Jämes Krüss („Tim Thaler oder das verkaufte Lachen“ 1962), Otfried Preußler und

Michael Ende sind Autoren die für die phantastische Kinder- und Jugendliteratur der

50er und 60er Jahre stehen. Sehr bekannte Geschichten von Michael Ende sind die

Geschichten um Jim Knopf (1960/62). Hier wird nur eine phantastische, fiktive Welt

gezeigt und nicht zwei verschiedene Welten (Phantasie und Realität) die miteinander

konkurieren. Weiterhin können die kindlichen Figuren in den den phantastischen

Geschichten der 50er und 60er jahre ihre eigenen Freiräume ausleben und sich

selbst durchsetzen. So zum Beispiel zu sehen bzw. zu lesen in „Die kleine Hexe“ von

Preußler (1957) oder auch in Astrid Lindgrens Buch „Pippi Langstrumpf“. Pippi lebt

alleine und ohne sich an die Regeln der Erwachsenen zu halten in der Villa

Kunterbunt. Ihre Freunde dagegen, müssen sich an die „normalen“ Regeln halten.

In den 50er Jahren finden aich auch die Anfänge der Fantasy. Hierzu zählen die

Bücher von J.R.R. Tolkien (Hobbitbücher, 1937 und 1954/57) oder auch Lloyd

Alexander (Taran Erzählungen). Hierbei werden Elemente der Magie und des

Kampfes zwischen Gut und Böse eingebracht. Diese Erzählungen bzw. Geschichten

sind heute Klassiker sowohl für Kinder als auch für Erwachsene.

Eine Zunahme erfährt die Phantastische Kinder- und Jugendliteratur in den 70er

Jahren. Vor allem wird jetzt die Realität und Phantastik stärker gegenübergestellt.

Erklären lässt sich dies mit dem gesellschaftlichen Wandel dieser Zeit. Es fand eine

Politisierung des Alltags statt, aber auch das Bild der Kindheit veränderte sich. Kinder

werden nicht mehr von der Welt der Erwachsenen abgetrennt. Ganz im Gegenteil

sollen sie ein“umfassende Emanzipation“ erfahren und „zu mündigen Wesen erklärt

werden“4

Dagegen werde die phantastischen Erzählungen aus den 50er und 60er Jahren

kritisiert. Man könne die Geschichten nicht in die Realität übertragen. Jetzt soll

Kinderliteratur wieder realistischer sein. Soziale und politische Probleme sollen

aufgegriffen werden. So findet man nun sowohl realistische als auch phantastische

Erzählungen in der Kinder- und Jugendliteratur der 70er Jahre. Zu den Autoren

dieser Jahre zählen Christine Nöstlinger („Wir pfeifen auf den Gurkenkönig“ 1972),

Heinrich Hannover, und F.K. Waechter.

Vermehrt wird jetzt auch die Form des modernen Romans und Erzählformen wie zum

Beispiel die Ich-Erzählung, erlebte Rede, innerer Monolog u.s.w. genutzt. Michael

Ender verfasste in den 70er Jahren Bücher wie zum Beispiel „Momo“ (1973) oder

auch „Die unendliche Geschichte“ ( 1979). Diese Bücher sind wiederum bei

Erwachsenen Lesern ebenso beliebt wie bei Kindern. Weiterhin zu nennen ist Roald

Dahl dessen Erzählungen durch eine Mischung von Humor und Horror charakterisiert

sind. Er schrieb von menschenfressenden Riesen und Hexen die Kinder in Mäuse

verwandeln. Aber auch von ignoranten und dummen Eltern. Ende der 70er Jahre

kann man eine Wende in der Thematik der phantastischen Kinder- und

Jugendliteratur verzeichnen. Man wendet sich stark den Gruselmotiven aus der

Erwachsenenliteratur zu. Es werden Vampire und Monster in die phantastische

Kinder- und Jugendliteratur übernommen. Zu nennen sind hier die Bände von

Angelea Sommer-Bodenburg über den kleinen Vampir („Der kleine Vampir“, 1979-

1986; „Anton und der kleine Vampir“, ab 1989)

Wichtige Vertretere der phantastischen Kinder- und Jugendliteratur in den 70er und

80er Jahren sind Angelika Mechtel („Die Reise nach Tamerland“, 1984; „Janne und

der Traumabachneider“, 1985) und Paul Maar. Paul Maar ist vor allem durch das

„Sams“ bekannt geworden.

4 Hans –Heino Ewers (1995): Themen, Formen und Funktionswandel der westdeutschen
Kinderliteratur seit Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre; in: Zeitschrift für Germanistik
Neue Folge. Jg. V, H. 2, S. 261

In den 90er Jahren greift man wieder auf klassische Werke der Phantastik zurück.

Tendenzen aus den 80er Jahren zu Gruselgeschichten setzen sich fort. Auch die

„Intermedialität“ (Computer, Technik, TV-Bereich) wird in der Literatur aufgegriffen.

Trends wie das Thema Dinosaurier anfang der 90er Jahre machten auch vor der

Kinder- und Jugendliteratur nicht halt.

Wichtig ist auch noch die phantastische Kinder- und Jugendliteratur in der DDR.

Vertreter sind hier u.a. Ludwig Renn („Nobi“ 1955), Peter Brock („Die Wunderbrille“

1964), Hannes Hüttner („Das Blaue vom Himmel“ 1974), Peter Hacks („Meta Morfoß“

1975), Gerhardt Holtz-Baumerts („Hasenjunge Dreiläufer“ 1976), Benno Pludra

(„Siebenstorch“ 1990)...

Zunächst gab es in der Kinderliteratur der DDR vorwiegend Nach- und

Neuerzählungen alter Mythen und Sagen (Franz Führmann, „Prometheus“). In der

phantastischen Kinder und Jugendliteratur der DDR wurde aber am Ende einer

Geschichte meist noch mal deutlich gemacht, dass Phantastik nicht Wirklichkeit ist.

So wurde am Schluss der Geschichte von Uwe Kants „Der kleine Zauberer und die

große 5“ von 1974 nochmals die Lehre verdeutlicht, dass eine Note 5 nicht einfach

durch Magie verschwinden kann, sondern nur durch zwei Einsen zu einer 2 werden

kann. In der phantastischen Kinderliteratur geht es vor allem darum die Welt der

kindlichen Heldenfiguren zu verändern und eigene, individuelle Wünsche zu erfüllen.5

5 vgl. Birgit Patzelt: Phantastische Kinder-und Jugendliterartur der 80er und 90er Jahre; Peter Lang
Verlag:Frankfurth a.M.; 2001

2.3. Unterteilung Phantastischer KJL

Biesterfeld unterscheidet Utopie, Science Fiction, Fantasy und Phantastik. Utopie

wird gekennzeichnet als Fiktion eines als Ideal gesehenen Gesellschaftssystems und

bildet eine Alternative zur Realität. Science Fiction gehört zur unterhaltenden

Literatur, die einen nicht vorhandenen Fortschritt zum Thema macht.

Abenteuergeschichten in der imaginären, prähistorischen oder mittelalterlichen Welt

gehören zum Bereich der Fantasy. Wenn unreale Elemente in der Welt auftauchen,

spricht man von Phantastik.

Eine andere Unterscheidung nimmt Doderer vor. Bei ihm finden wir drei Varianten, je

nach Handlungsort der Geschichte. Entweder existieren die reale und die

phantastische Welt nebeneinander oder die Geschichte spielt die gesamte Zeit in der

realen Welt, jedoch mit phantastischen Elementen. Die dritte Möglichkeit ist, dass die

Geschichte die gesamte Zeit in der phantastischen Welt spielt.

Mayer geht mit seiner Unterteilung noch weiter. Nach dem Lebensabschnitt des

Kindes unterscheidet er das Bilderbuch, das Kinderbuch und das Jugendbuch.

Ersteres gliedert sich in die phantastische Bilderbuchgeschichte, in der sich Reales

und Irreales auf zwei Handlungsebenen begegnen, und in die wirklichkeitsnahe

Bilderbuchgeschichte mit irrealen Elementen. Eine ähnliche Aufgliederung finden wir

auch im Kinderbuch, in dem es phantastische Kindergeschichten gibt, in der das

Phantastische und das Reale miteinander konfrontiert werden, und die

wirklichkeitsnahen Kindergeschichten mit irrealen Elementen. Beim Jugendbuch

sieht es etwas anders aus. Mayer unterscheidet hier die utopischen Geschichten

bzw. Science Fiction als wissenschaftlich zukunftsweisende Vision und die

phantastischen Geschichten bzw. Fantasy, die an Sagen, Mythen und ähnlichem

anlehnen. Es gibt jedoch auch andere Unterteilungen, in der die Science Fiction als

einzelnes Teilgebiet neben der Phantastik steht, welche wir hier aber nicht weiter

berücksichtigen wollen.

2.4. Themen, Motive und Merkmale Phantastischer KJL

Das Phantastische zeigt sich nach Haas in folgenden Motiven: in lebendigen

Spielsachen, in fremden Gesellschaften in unserer Wirklichkeit, sowie auch darin,

dass sich Kinder aus fremder und realer Welt treffen oder übernatürliche Tiere dem

Helden helfen, als auch in Gestalten aus mythischer bzw. magischer Welt und darin,

dass Personen in andere Räume oder Zeiten gelangen.

In der phantastischen KJL finden wir verschiedene Themen. Zum einen die

phantastische Reise, der Einbruch der Vergangenheit bzw. Zukunft in die Gegenwart

und der Mythos von Licht und Dunkelheit bzw. Gut und Böse. Weitere Themen sind

andere Welten, Gäste aus dem Unbekannten, Miniaturgestalten und Technik als

Element der Phantastik (Der kleine Prinz).

Die phantastische Reise spielt eine relativ große Rolle. Man unterscheidet dabei zum

einen die Erzählungen, welche die Reise an sich betonen, und die, welche das

reisende Ich in den Mittelpunkt setzten, d.h. eine Reise in andere Zeiten oder zu sich

selbst (Brüder Löwenherz, Unendliche Geschichte).

Im Gegensatz zur phantastischen Reise stehen die Gäste aus dem Unbekannten,

die aus einem phantastischen Bereich in die Alltagswelt reisen (Mary Poppins,

Karlsson).

Ein Beispiel für den Einbruch der Vergangenheit in die Gegenwart ist Susan Coopers

„Wintersonnenwende“. Hier wird ein Junge ins Mittelalter versetzt, und gleichzeitig

werden Gestalten der Vergangenheit in die Gegenwart übertragen.

Der Mythos von Gut und Böse ist Element vieler phantastischer Erzählungen. Dabei

muss es sich nicht unbedingt nur um Mythen und Visionen handeln, sondern

alltägliche Bereiche werden ebenfalls thematisiert. (Thimm Thaler)

Andere Welten können einerseits Handlungsort der Geschichte sein oder

andererseits nur angedeutet werden, wie z.B. in Mary Poppins, welche die fremde

Welt in der unseren repräsentiert. (Unendliche Geschichten)

Mit Miniaturgesellschaften können nur die Kinder in Kontakt treten, nicht zuletzt

aufgrund ihrer Größe. Solche Miniaturgesellschaften sind z.B. Liliputaner oder

Hobbits. (Gullivers Reisen)

Mit der Technik als Element der Phantastik ist eine Anschlussstelle für die Science

Fiction bezeichnet.

Binder zählt fünf Merkmale der phantastischen KJL auf. Er nennt den sprunghaften

Wechsel zwischen der Realität und dem Wunderbaren, die Voranstellung der

Kinderwelt vor der Erwachsenenwelt, einen weiten Spielraum für das Komische wie

Ironie und Wortspiel, die Freude am Spiel und zuletzt das Geheimnisvolle.

2.5. Funktionen der phantastischen KJL

Doderer nennt vier Funktionen. Die Kompensatorische Funktion sagt aus, dass

Wünsche und Bedürfnisse in die literarischen Figuren projiziert werden können (Pippi

Langstrumpf).

Dass wünschenswerte Verhaltensweisen dem Kind nahe gebracht werden, nennt

man pädagogische Funktion (Pinocchio).

Durch die emanzipatorische Funktion wird die Selbstständigkeit des Lesers gefördert.

Und es gibt eine symbolische Funktion, was heißt, dass Abstraktes symbolisiert wird

(Momo).

-

Zur allgemeinen Funktion schreibt Haas: “Phantastische Literatur stellt eine

Möglichkeit der Befreiung von den Zwängen eines in rationaler Denkweise

erstarrten Bewusstseins dar. In diesem Sinne ist sie Protest und Hilfe bei der

Auffindung von Alternativen, weniger im strikt inhaltlichen als vielmehr in einem

funktionellen Sinn.“

-

Phantastische Literatur dient der Schaffung und Erhaltung eines Freiraums und

Spielraums für das Nutzlose, Zweckfreie.

-

Phantastische Literatur kann als Ersatz für verweigerte Realität dienen.

-

Phantastische Literatur ist in der Lage, eine Erweiterung des

Wirklichkeitsverständnisses durch Entwurf einer grundsätzlich nicht real

einlösbaren, d.h. surrealen Gegenwart zu bewirken.

-

Phantastische Literatur kann die nicht-nur-rationalen Erfahrungen von dem,

was der Mensch ist bzw. was die nicht nur materialistisch verstandene

Wirklichkeit ist, aktivieren.

-

Phantastische Literatur als Ausdruck instrumental-sozialer Phantasie kann

konkrete und direkte Anstöße zur Wirklichkeitsveränderung liefern.

-

Phantastische Literatur kann ein dem Menschen innewohnendes Bedürfnis

nach einer transzendenten Welt, d.h. einer Welt, die die Grenzen der Erfahrung

und des sinnlich Wahrnehmbaren überschreitet, Genüge tun, wobei es sich in

der Phantastik des Grausens vielfach um eine Art dem irdischen Leben

zugehöriger, verkürzter Transzendenz handelt.

-

Phantastische Literatur dient nach Erich Neumann der Wiederherstellung der

seelischen Ganzheit. Also dient sie der geistig-seelischen Balance des

Menschen und dem Wachstum der Persönlichkeit.

-

Phantastische Literatur kann einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung

psychischer Krisen und Probleme leisten. Phantastische Literatur flieht nicht

vor der realen Welt, sondern verarbeitet und interpretiert diese.

-

Phantastische Literatur kann Wissen, Information, pädagogische Intentionen

transportieren.

3. Literaturverzeichnis

3.1. Primärliteratur

Wir haben folgende Primärliteratur für uns ausgewählt:

o J.K Rowling: „Harry Potter und der Stein der Weisen“

o Christine Nöstlinger: „Der Zwerg im Kopf“

o Christine Nöstlinger: „Wir pfeifen auf den Gurkenkönig“

o Michael Ende: „Der Wunschpunsch“

o Michael Ende: „Die Unendliche Geschichte“

o Terry Pratchet: „Gevatter Tod“

o Gianni Rodori: „Gelsomino im Land der Lügner”

o Helme Heine/Gisela von Radowitz: „Tabaluga“

o Alexander Wolkow: „Der schlaue Urfin und seine Holzsoldaten“

o Astrid Lindgren: „Brüder Löwenherz“

o Diana Young: Fern Gully

o Eoi Colfer: Artimis Fowl

Weitere (ausgewählte) Primärliteratur:

o Astrid Lindgren: Pippi Langstrumpf, Friedrich Oettinger Verlag, Hamburg,

1945

o Ralf Isau: Das Geheimnis des siebten Richters, Thienemann Taschenbuch

Verlag, Stuttgart, 1999

o Mari Osmundsen: Das Königreich Novemberland; Herder Verlag,

Freiburg/Breisgau, 1996

o Martin Klein: Die Stadt der Tiere; Bertelsmann Jugendbuchverlag, München,

2002

o Rudyard Kipling: Das Dschungelbuch; Paul List Verlag, Leipzig, 1985

(erstmals 1925)

o James Krüss: Timm Thaler, Otto Maier Verlag, Ravensburg, 1987 (erstmals

1962)

o Hugh Lofting: Dr. Dolittle; Cecilie Dressler Verlag. Hamburg, 1987 (erstmals

1935)

3.2. Sekundärliteratur

Wir haben mit folgender Sekundärliteratur gearbeitet:

o www. hausarbeiten.de/fächer/hausarbeit/lig/5421.html

o Haas/Klingberg/Tabbert: Phantastische Kinder- und Jugendliteratur; in: Haas

(Hrsg.): Kinder- und Jugendliteratur - ein Handbuch, Phillipp Reclam Jun.

Stuttgart, 3. Auflage

o Günter Langer: Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur, Bd. 1,

Schneiderverlag, Hohengehren GmbH, 2000

o Reinbert Tabbert: Phantastische Kinder- und Jugendliteratur, in: Günter

Langer: Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur, Bd. 1, Schneiderverlag,

Hohengehren GmbH, 2000

o Hans –Heino Ewers (1995): Themen, Formen und Funktionswandel der

westdeutschen Kinderliteratur seit Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre; in:

Zeitschrift für Germanistik Neue Folge. Jg. V, H. 2

o Winfried Kaminski: Einführung in die Kinder- und Jugendliteratur; literarische

Phantasie und gesellschaftliche Wirklichkeit; 4. Aufl.; Weinheim, München:

Juventa Verlag, 1998

o Volker Meid: Sachwörterbuch zur deutschen Literatur; Reclam, Stuttgart: 1999

o Microsoft Encarta Enzyklöpädie, 1999

Weitere (ausgewählte) Sekundärliteratur:

o Hans-Heino Ewers: Literatur für Kinder und Jugendliche – Eine Einführung;

Wilhelm Fink Verlag, München; 2000

o Karin Richter: Kinderliteratur in der Grundschule; Schneider Verlag;

Hohengehren GmbH, 2001

o Bernhard Rank: Erfolgreiche Kinder- und Jugendbücher; Schneider Verlag;

Hohengehren GmbH, 1999

o Lexikon der Kinder- und Jugendliteratur; Beltz Verlag, Weinheim/Basel, 1984

o Karl Ernst Maier: Jugendliteratur - Formen, Inhalte, pädagogische Bedeutung;

Verlag Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn, 1993

o Gundel Mattenklott: Zauberkreide – Kinderliteratur seit 1945, Fischer

Taschenbuch Verlag, Frankdurth am Main, 1994

o Jens Thiele/ Jörg Steitz-Kallenbach: Handbuch Kinderliteratur, Herder Verlag,

Freiburg, 2003

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