Kriterien guten Unterrichts
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© Studienseminar Gelsenkirchen I, (BK)
18.05.01
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Studienseminar Gelsenkirchen I Sek II. (BK)
1
Kriterien guten Unterrichts
Entwicklungsphasen
Aspekte von Unterricht
Ausprägungen
Anfangsphase
Endphase
Lernvoraussetzungen
der Schüler
Vorkenntnisse und Erfahrungen,
Leistungsvermögen, Leistungs-
bereitschaft
Berücksichtigung ele-
mentarer Lernvorausset-
zungen bei der Unter-
richtsplanung
Berücksichtigung der
Lernvoraussetzungen in
ihrer gesamten Komplexi-
tät
Didaktische Jahrespla-
nung (Richtlinien, Lehr-
pläne, Konferenzbe-
schlüsse)
Handlungsfelder
Lernfelder, Lernsituationen
Angeleitete Berücksichti-
gung von Lernsituationen
Selbständige Entwicklung
von Lernsituationen
Auswahl und Aspektie-
rung von Unterrichtsin-
halten
Lebensbedeutsamkeit/
Berufsbezug-, Aktualität,
Gegenwarts-/Zukunftsbezug
Exemplarität
Handlungsbezug
Angeleitete Berücksichti-
gung der Prinzipien
Selbständige Berücksichti-
gung der Prinzipien
Sachanalyse und Re-
duktion
Selbständige
Sachanalyse Lerngruppengerechte
Reduktion
Stundenthema, Stundenziel
Intentionale Formulierung
für eine Einzelstunde
Intentionale Formulierung
für die Unterrichtsreihe
D
i
d
a
k
t
i
k
Zielsetzungen/
Intentionen
Handlungskompetenz:
Fach-, Methoden-, Human- und
Sozialkompetenz
Bewusste Gestaltung des
Anspruchsniveaus der
Einzelstunde
Lerngruppengerechte
Gestaltung und längerfris-
tige Entwicklung des An-
spruchsniveaus
Lernschrittfolge
Induktion/Deduktion,
Analyse/Synthese/Genese
Einsatz unterschiedlicher
Lernschrittfolgen
Begründete Auswahl von
Lernschrittfolgen
Artikulation
Lernpsychologisch, sachorien-
tiert, problemorientiert
Erprobung unterschiedli-
cher Artikulationssche-
mata
Begründete Auswahl von
Artikulationsschemata
Aktions- und Sozialfor-
men
Verschiedene
Erprobung unterschiedli-
cher...s.o.
Begründete Auswahl ...
s.o.
Medien
Verschiedene
Erprobung unterschiedli-
cher...s.o.
Begründete Auswahl ...
s.o.
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M
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Verlaufsplanung/ Hand-
lungsschritte
Dem Fach und der Lern-
gruppe angemessene
Verlaufsplanung
Fortschreitende Differen-
zierung in der Verlaufspla-
nung
Initiierung von Lernprozes-
sen
Motivation, Problemstellung/
Transparenz der Stunde, Eröff-
nung von Informationsquellen
Unterrichtsdurchführung in
enger Anlehnung an die
Planung
Unterrichtsdurchführung,
die flexibel auf erforderli-
che Planabweichungen
reagiert
Begleitung von Lernprozes-
sen
Differenzierte Unterstützung der
Schüler
Schüler sachgerecht
unterstützen
Differenzierte, schülerge-
rechte Unterstützung
Auswertung von Arbeitser-
gebnissen
Problematisierung, Vertiefung,
Vergleichen, Bündelung, Verall-
gemeinerung
Strukturiert wie geplant
Situationsgemäß
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s
durch
führung
Sicherung von Lernergeb-
nissen
Zusammenfassung, Übung,
Wiederholung, Transfer,
Hausaufgaben etc.
Umsetzung der Planung
Flexibles Reagieren auf
unvorhersehbare Situatio-
nen
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Frage- und Impulstechnik
Von der Frage zum Impuls Zunehmende Souveränität
und Differenziertheit
Moderation von Schülerbeiträ-
gen
Wahrnehmen, Aufgreifen
und Würdigen von Schü-
lerbeiträgen
Einbindung divergierender
Schülerbeiträge
Initiierung und Steuerung
von Interaktionen
Mimik, Gestik, Körpersprache
Unterstützung und Verfei-
nerung der Impuls- und
Fragetechnik
Kombinierter situationsge-
rechter und authentischer
Einsatz von verbalen und
nonverbalen Steuerungs-
techniken
Kooperatives Verhalten im
Bildungsgang
Bereitschaft zu kooperie-
ren
Kooperation initiieren
Rollenverständnis
Kooperativer Lernbegleiter,
Autorität
Akzeptanz der Lehrerrolle Rolle als Lehrer authen-
tisch ausfüllen
Wertschätzung,
Empathie
Zunehmende
Sensibilität
für das Empfinden anderer
Schüler als Persönlichkei-
ten akzeptieren
Haltung
Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit,
Verantwortungsbewusstsein,
Engagement
Lehrer als Vorbild
(Zunehmende Bewusstwerdung und Wahrnehmung
der Erziehungsfunktion)
Lehrer-
verhalten
und
Lehrer-
persön-
lichkeit
Reflexionsbereitschaft und
–fähigkeit
Kritikfähigkeit:
Umgang mit Fremdkritik,
Fähigkeit zur Selbst- und zur
Fremdkritik
Kritik annehmen und zur
Verbesserung der eigenen
unterrichtlichen Fähigkei-
ten nutzen können
Zunehmende Differenzie-
rung in der kritischen
Diskussion über Unterricht
und Unterrichtsprozesse
Erläuterungen zur Tabelle
Die Tabelle "Kriterien guten Unterrichts" entstand im Herbst 1998 in mehreren gemeinsamen Arbeits-
gruppensitzungen von Ausbildungskoordinatoren, Fachleitern und Hauptseminarleitern des Studien-
seminars für das Lehramt für die Sekundarstufe II, Gelsenkirchen I (Berufsbildende Schulen).
Mit der Erarbeitung dieser Tabelle wurden folgende Ziele verfolgt:
• Erarbeitung und Abstimmung gemeinsamer Vorstellungen darüber, wodurch sich "guter Un-
terricht" auszeichnet,
• Entwicklung einer Handreichung für Ausbildungslehrer, Ausbildungskoordinatoren, Schulleiter,
Fachleiter und Hauptseminarleiter zur Beobachtung, Besprechung und Beurteilung von Unter-
richt,
• Bereitstellung einer orientierenden Hilfe für Studienreferendare bei der Planung, Durchführung
und Evaluation von Unterricht.
Die Tabelle ist der Versuch, die in einer großen sachkundigen Personengruppe aus der Sicht unter-
schiedlicher Fächer, Bildungsgänge und Lernerfahrungen gewachsenen unterschiedlichen Vorstellun-
gen über "guten Unterricht" einander anzunähern und auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.
Dazu wurde ein Abstraktionsniveau gewählt, das einerseits durchaus konkrete und gehaltvolle Aussa-
gen zu den einzelnen Aspekten "guten Unterrichts" trifft, andererseits aber genügend Spielraum für
die je nach Fach und Bildungsgang unterschiedlichen Ausprägungen und Bedeutungen dieser As-
pekte lässt. Es ist daher erforderlich, in den jeweiligen Bildungsgängen und Fachseminaren weitere
Konkretisierungen der aufgeführten Aspekte und ihrer Ausprägungen vorzunehmen.
Der Tabelle liegt die gemeinsame Auffassung aller Beteiligten zugrunde, dass "guter Unterricht" heute
als handlungsorientierter Unterricht verstanden werden sollte, der aktives, schülerorientiertes und
selbsttätiges Lernen in einer angenehmen und produktiven Lernatmosphäre anstrebt. Diese Art und
Weise des Lernens soll die allgemeine und berufliche Handlungskompetenz in allen Kompetenzberei-
chen fördern.
Die Verfasser stimmen darin überein, dass die Tabelle Aspekte des Unterrichts auflistet, die bei der
Beurteilung von Unterricht eine zentrale Rolle einnehmen. Die Tabelle ist jedoch ausdrücklich nicht als
quantifizierbares Beurteilungsraster gedacht oder geeignet. Anders als die mit der Tabelle vorgenom-
mene analytische Differenzierung von Einzelaspekten erfordert die Beurteilung von Unterricht eine
ganzheitliche Sichtweise, die neben der Stimmigkeit dieser Einzelaspekte zueinander auch die jewei-
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lige unterrichtliche Situation sowie die Persönlichkeit und Entwicklung der Referendarin bzw. des Re-
ferendars berücksichtigt.
Die neue OVP sieht vor, dassdaß die Studienreferendare ab dem zweiten Ausbildungshalbjahr eigen-
verantwortlichen Unterricht erteilen. Für die Referendarausbildung ergibt sich daraus die Notwendig-
keit, innerhalb des ersten Halbjahres alle wesentlichen Aspekte der Unterrichtsgestaltung und anderer
Lehrerfunktionen grundlegend zu beleuchten, um eine hinreichende Kompetenz zur Bewältigung des
eigenverantwortlichen Unterrichts zu legen. Im weiteren Verlauf sind diese grundlegenden Fähigkeiten
weiter zu festigen und im Sinne eines spiralförmigen Curriculums zu erweitern und zu vertiefen. Dieser
didaktischen Konzeption trägt die Tabelle Rechnung, indem sie zwischen Merkmalen der Unterrichts-
gestaltung unterscheidet, die in der "Anfangsphase" angestrebt werden sollen und solchen, die in der
"Endphase" des Referendariats erreicht werden sollten. Demgemäß zeigt sich die Progression im
Ausbildungsverlauf in Form
• einer zunehmenden Selbständigkeit in der Planung, Durchführung und Evaluation von Unter-
richt
• einer Erweiterung des Planungshorizonts von einzelnen Unterrichtssequenzen über die ein-
zelne Unterrichtsstunde bis hin zur Unterrichtsreihe und zur fächerübergreifenden didakti-
schen Planung des Bildungsganges,
• der Entwicklung von der Nutzung einer Unterrichtsmethode über die Erprobung unterschiedli-
cher Methoden und Ansätze hin zu einer begründeten Auswahl und sicheren Beherrschung
eines breiten Repertoires,
• einer zunehmenden Variabilität und Differenziertheit der Unterrichtsplanung,
• einer zunehmenden Flexibilität und Souveränität der Unterrichtsdurchführung.
Die Tabelle stellt wichtige Kriterien "guten Unterrichts" ohne Anspruch auf Vollständigkeit dar. Sie
beleuchtet damit die zentrale Lehrerfunktion "Unterrichten" und berührt an den Überschneidungsstel-
len ansatzweise auch andere Lehrerfunktionen. Es sei jedoch ausdrücklich daran erinnert, dass die
Fähigkeit, "gut zu unterrichten" noch nicht gleichbedeutend mit einem "guten Lehrer" ist, da zur um-
fassenden Erfüllung der Lehrerrolle weitere Aufgabenfelder hinzutreten.
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