Gemeinsamer europäischer Referenzrahmen für Sprachen: lernen, lehren, beurteilen als Orientierung für den Fremdsprachenunterricht
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Gemeinsamer europäischer Referenzrahmen für
Sprachen: lernen, lehren, beurteilen? als
Orientierung für den Fremdsprachenunterricht in
Korea*
Kim, Hallan (Sungshin Frauen-Uni)
In diesem Beitrag werden die Hintergründe und Ziele des ?Gemeinsamer
europäischer Referenzrahmen für Sprachen: lernen, lehren, beurteilen?(GER)1
dargestellt. Neben einigen kritischen Anmerkungen werden zum Schluß die Chancen
angesprochen, die eine Umsetzung des GER für DaF in Korea bietet.
1. Einführung: Der institutionelle Hintergrund von GER
Der GER für Sprachen ist ein Dokument europäischer Sprach- und Kulturpolitik des
Europarats mit Bedeutung für Bildungspolitiker in den Mitgliedsstaaten, für Lehrende in
den Institutionen und für Lerner von Fremdsprachen. Mit dem GER bekommen
Bildungspolitiker ein Werkzeug, Standards für den Fremdsprachenunterricht zu schaffen.
Lehrende können mit dem GER Lehrpläne und Qualifikationen abgleichen und Lernern
dient er zur Orientierung bei der Wahl des Lehrangebots.
* Dieser Beitrag ist eine leicht veränderte Fassung meines Vortrags, den ich auf der Tagung
des DAAD Beirats Germanistik vom 5. bis 7. Oktober 2005 gehalten habe.
1 Europarat-Rat für kulturelle Zusammenarbeit (2001): Gemeinsamer Europäischer
Referenzrahmen für Sprachen: lernen, lehren, beurteilen. Berlin: Langenscheidt.
Online: http://www.goethe.de/z/50/commeuro/
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Als Autoren fungieren der Rat für kulturelle Zusammenarbeit und der Bildungs-
ausschuss ,Sprachenlernen für europäische Bürgerʼ, in dem alle Mitgliedsländer des
Europarats vertreten sind. Die folgenden Informationen zum Europarat sind der
Homepage entnommen und sollen den Hintergrund des GER verständlich machen. Der
Europarat wurde 1949 als die älteste europäische Institution gegründet und hat 46
Mitglieder. Er unterscheidet sich von der der EU und ihren 25 Mitgliedern. Der Sitz des
Europarats ist Strassburg. Aufgabenschwerpunkte sind die Wahrung der Menschenrechte
und der Rechtstaatlichkeit, Harmonisierung der sozialen und rechtlichen Praktiken
zwischen den Mitgliedsländern und Schaffen eines europäischen Bewusstseins. Er
spricht insbesondere auch Empfehlungen an die Regierungen aus, die Kultur und
Erziehung betreffen. Er hat den 26. September in Europa zum Tag der Sprachen
ausgerufen und 1994 wurde in Graz auf sein Betreiben hin das Europäische Zentrum für
Fremdsprachen eingerichtet. Die Arbeiten des Europarats im Bereich Kultur haben
keinen rechtsverbindlichen Charakter, sondern sind Empfehlungen. Es bleibt den
Regierungen bzw. der EU überlassen, diesen Empfehlungen zu folgen.
Der GER ist nicht verbindlich, sondern muss von allen Beteiligten mit Leben erfüllt
werden, indem die Anregungen praktisch umgesetzt werden. Hierzu gibt es bis zu einem
gewissen Grad Vorschläge, aber keine Vorschriften. Die wirtschaftlichen und politischen
Veränderungen in Europa entwickeln zunehmend den Bedarf nach einer abgestimmten
und konstruktiven Sprachpolitik. Deswegen wird der GER relevant sein, auch wenn er
nicht über unmittelbare normative Kraft verfügt. Auch ist er Dokument eines Prozesses,
der schon in den frühen 70er Jahren begonnen hat und eben auch weitere Generationen
dauern wird.
2. Kulturarbeit und Sprachpolitik
Europäische Kulturarbeit hat zwei Aspekte, sie soll zum einen die Gemeinsamkeiten
bewusst machen und zum anderen die Vielfalt schützen. Für die Sprachpolitik bedeutet
?Gemeinsamer europäischer Referenzrahmen für Sprachen: lernen, lehren, beurteilen? … 393
dies insbesondere, dass die zahlreichen europäischen Sprachen gepflegt werden sollen
und dass mit dieser Sprachenvielfalt auch die gemeinsame Verständigung der Bürger in
Europa ermöglicht werden soll. Damit dokumentiert der GER den politischen Willen des
Europarats den Fremdsprachenerwerb in Europa zu einem Standardangebot für die
Bürger zu machen, damit über die Fremdsprachenkenntnisse und Fremdsprachenkontakte
Toleranz und Verständnis bei den Bürgern gefördert und die Voraussetzungen
wirtschaftlichen Handelns verbessert werden. In letzter Zeit gibt es Diskussionen über
eine neue Dienstleistungsrichtlinie, die grenzüberschreitende wirtschaftliche Aktivitäten
ermöglichen soll, aber auch bestehende Arbeitsplätze gefährdet. Die Umsetzung des GER
steht ganz konkret als eine langfristige Maßnahme für eine Politik, Mobilität der Bürger in
Europa zu erleichtern und Ressentiments gegen Fremde abzubauen. Damit kann der GER
mit seiner Zielsetzung und als Teil einer konstruktiven Sprachpolitik zur Bildung eines
europäischen Bewusstseins beitragen und die politische Stabilität in der EU stärken.
Bemerkenswert ist der Anspruch, dass mehrere Fremdsprachen gelernt werden
sollen und dass das Fremdsprachenlernen nicht auf die Schulzeit beschränkt bleiben,
sondern lebenslang erfolgen soll. Mehrsprachigkeit wird man im Durchschnitt nur
erhöhen können, wenn die Lernbereitschaft geweckt und Sprachängste reduziert werden
können. Das bedeutet der Lerner muss den Nutzen des Spracherwerbs sehen und die
Erfolge müssen für ihn greifbar sein. Deshalb soll der Lernerfolg relativiert werden zu
dem Ziel, das der Lerner verfolgt und deshalb soll der Lernerfolg nicht mehr automatisch
an der Kompetenz des Muttersprachlers gemessen werden. Mit reduzierten
Fremdsprachenkenntnissen mehrerer Sprachen werden Synergieeffeke erwartet. Die
kommunikative Gesamtkompetenz soll mit den Spracherfahrungen in verschiedenen
Fremdsprachen wachsen und die Flexibilität der Lerner und Anwender erhöhen.
Schließlich wird Mehrsprachigkeit als Bestandteil einer ,Plurikulturalitätʻ gesehen.
Diverse Kulturen und Kulturaspekte bestehen nicht nebeneinander, sondern befinden
sich in Interaktion. Mehrsprachigkeit ermöglicht den Zugang zu einem wechselseitigem
Kulturverständnis und ist Teil einer gelebten ,Plurikulturʻ. Die Förderung der
Mehrsprachigkeit soll eine Antwort auf den gesellschaftlichen Anspruch auf mehr
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Toleranz und Mobilität der Bürger sein.
3. Welche Zwecke verfolgt der GER
Der GER dient mehreren Zwecken. Es sollen mit seiner Hilfe Ziele und Inhalte der
Sprachlernprogramme festgelegt werden, Inhalte der Prüfungen und Beurteilungskriterien
erstellt werden und den Lernern eine Orientierung gegeben werden, um die eigenen
Sprachkenntnisse einzuschätzen, die eigenen Lernziele zu entwickeln, die entsprechenden
Lehrmittel auszuwählen und den eigenen Fortschritt beurteilen zu können. Dabei ist von
Bedeutung, dass nicht mehr nur der traditionelle Anspruch auf eine ,umfassendeʼ
Fremdsprachenkompetenz als Lernziel formuliert wird, in dem der Muttersprachler als
Referenz steht. Sondern es werden ,modulareʼ, ,gewichteteʼ oder ,partielleʼ Lernprogramme
und Zertifikate gefordert, die ein differenziertes Engagement des Lerners berücksichtigen.
Der GER soll drei Kriterien genügen. Er soll ,umfassendʼ sein, indem die
Sprachkenntnisse, Sprachfertigkeiten und Sprachverwendungen so detailliert beschrieben
werden, dass die Benutzer ihre Ziele innerhalb des GER beschreiben können. Er soll
,tarnsparentʼ sein, indem er klar und übersichtlich formuliert ist und er soll ,kohärentʼ sein,
indem er frei von Widersprüchen angelegt ist, was seine Teilkomponenten angeht, wie
Bedarfsermittlung, Zielsetzung, Lerninhalten, Materialwahl, Methoden und Prüfungen.
Darüber hinaus soll er über folgende Attribute verfügen: ,multifunktionalʼ, ,flexibelʼ,
,offenʼ, ,dynamischʼ, ,benutzerfreundlichʼ, ,undogmatischʼ, ,didaktischʼ. So gesehen
handelt es sich beim GER um eine ,eierlegende Wollmilchsauʼ. Der GER will als
,handlungsorientierterʼ Ansatz verstanden werden, das bedeutet, Sprachverwendung und
auch Sprachlernen geschehen innerhalb gesellschaftlicher Kontexte, in denen die Akteure
ihre Ziele unter Verwendung ihrer Kompetenz strategisch verfolgen. Der GER soll auf
diesem Hintergrund als Werkzeug für den differenzierten Fremdsprachenerwerb dienen.
Ein differenzierter Fremdsprachenerwerb impliziert, sich vom Anspruch zu lösen,
?Gemeinsamer europäischer Referenzrahmen für Sprachen: lernen, lehren, beurteilen? … 395
die native Sprachkompetenz erreichen zu sollen. Es ist nicht mehr das übergeordnete
Lernziel, möglichst nahe an die Kompetenz des Muttersprachlers zu kommen. Auch die
Schwerpunkte zwischen Lesefertigkeiten und mündlicher Fremdsprachenkompetenz
müssen differenziert angeboten und bewertet werden. Die partiellen Lernerfolge werden
unmittelbar für die Sprachteilnehmer eine Ermutigung bedeuten und damit Empathie
auslösen. Sie erhöhen die interkulturelle Kompetenz und stärken die Kooperations-
fähigkeit.
So einfach und selbstverständlich der Anspruch nach einem differenzierten Sprach-
angebot für den Einzelnen erscheint, so schwierig ist es, diesen institutionell umzusetzen,
zu normieren und damit vergleichbar zu machen. Das kann nur gelingen, wenn es eine
Koordination der Bildungseinrichtungen gibt. Wichtig ist für diejenigen, die für die
Erwerbssituation Sprache lernen, dass ihre Qualifikation formale Anerkennung findet.
Das kann nur mit einem System von differenzierten Standards gewährleistet werden. Die
Entwicklung solcher Standards bedeuten eine große Hilfe für die Lehrenden,
Kursautoren und Institutionen, indem sie das Gerüst bilden, mit dem das Lernangebot
strukturiert wird.
Somit dient der GER ganz klar der Planung von Sprachlernprogrammen. Die
Bildungsinstitutionen können gemäß ihrer Zielgruppen den Ausbau des Lernangebots
vornehmen und sich der Module des Referenzrahmens bedienen. Daraus folgt auch die
Möglichkeit, Sprachzertifikate anbieten zu können. Unabhängig von der Zertifizierung
bietet der Referenzrahmen auch demjenigen, der sich für ein selbstbestimmtes Lernen
entscheidet, eine hinreichende Planungsmöglichkeit. Der GER ist ein Werkzeug, mit
dem die Lernziele klar beschrieben werden können. Sie bilden eine gemeinsame Basis,
auf der man nach objektiven Kriterien die Sprachkompetenz bewerten kann.
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A
Elementare
Sprachverwendung
B
Selbständige
Sprachverwendung
C
Kompetente
Sprachverwendung
A1
(Breakthrough)
A2
(Waystage)
B1
(Threshold)
B2
(Vantage)
C1
(Effective
Operational
Proficiency)
C2
(Mastery)
4. Referenzniveaus
Die Beurteilung und Leistungsmessung erfolgt relativ zu ,Referenzniveausʼ, die im
GER vorgeschlagen werden. In diesem Zusammenhang wird auf das Europäische
Sprachenportfolio (ESP) (Online: http://culture2.coe.int/portfolio) verwiesen, das ESP,
in dem der Stand der Fremdsprachkenntnisse aufgrund von Zeugnissen, Auslands-
aufenthalten und Praktika, dokumentiert wird. Die Referenzniveaus im GER gehen über
diesen ersten Schritt hinaus, indem ein taxonomisches System angelegt wird, das den
individuellen Leistungsstand des Lerners qualitativ erfassen hilft und vergleichen lässt.
Die Referenzniveaus bilden die Skala, auf der die Fremdsprachenkompetenz zugeordnet
wird und schließlich innerhalb eines Niveaus bewertet wird. Kurioserweise lässt sich für
einige englische Bezeichnungen der Referenzniveaus keine passende deutsche
Übersetzung finden. Stattdessen wird zurecht hervorgehoben, dass als Grundschema die
klassische Dreiteilung von Unter-, Mittel- und Oberstufe mit neuen Bezeichnungen
repräsentiert wird, die mit jeweils zwei Unterkategorien ergänzt werden (GER, 34).
Einerseits scheint es ein schönes Beispiel für den Nutzen von Mehrsprachigkeit zu
sein, da es offensichtlich keine passenden Übersetzungsmöglichkeiten für die gewählten
englischen Ausdrücke gibt. Andererseits gibt es zu Denken, dass ein allgemeines Schema
dieser Art nicht mit universellen Bezeichnungen versehen wird, die in jeder Sprache
?Gemeinsamer europäischer Referenzrahmen für Sprachen: lernen, lehren, beurteilen? … 397
Kompetente
Sprachverwendung
C2
Kann praktisch alles, was er/sie liest oder hört, mühelos
verstehen. Kann Informationen aus verschiedenen
schriftlichen und mündlichen Quellen zusammenfassen und
dabei Begründungen und Erklärungen in einer
zusammenhängenden Darstellung wiedergeben. Kann sich
spontan, sehr flüssig und genau ausdrücken und auch bei
komplexeren Sachverhalten feinere Bedeutungsnuancen
deutlich machen.
C1
Kann ein breites Spektrum anspruchsvoller, längerer Texte
verstehen und auch implizite Bedeutungen erfassen. Kann sich
spontan und fließend ausdrücken, ohne öfter deutlich
erkennbar nach Worten suchen zu müssen. Kann die Sprache
im gesellschaftlichen und beruflichen Leben oder in
Ausbildung und Studium wirksam und flexibel gebrauchen.
Kann sich klar, strukturiert und ausführlich zu komplexen
Sachverhalten äußern und dabei verschiedene Mittel zur
Textverknüpfung angemessen verwenden.
Selbständige
Sprachverwendung
B2
Kann die Hauptinhalte komplexer Texte zu konkreten und
abstrakten Themen verstehen; versteht im eigenen
Spezialgebiet auch Fachdiskussionen. Kann sich so spontan
und fließend verständigen, dass ein normales Gespräch mit
Muttersprachlern ohne grössere Anstrengung auf beiden
Seiten gut möglich ist. Kann sich zu einem breiten
Themenspektrum klar und detailliert ausdrücken, einen
Standpunkt zu einer aktuellen Frage erläutern und die Vor-
und Nachteile verschiedener Möglichkeiten angeben.
B1
Kann die Hauptpunkte verstehen, wenn klare Standardsprache
verwendet wird und wenn es um vertraute Dinge aus Arbeit,
Schule, Freizeit usw. geht. Kann die meisten Situationen
gefunden werden können. Man könnte hier kritisieren, dass GER auf einer sehr frühen
Stufe gegen das Transparenzkriterium verstößt. Jedenfalls wird in der deutschen Version
mit den alphabetischen Bezeichnungen gearbeitet, die entsprechend textreich in der
,Globalskalaʼ der Referenzniveaus erläutert werden (GER, 35):
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bewältigen, denen man auf Reisen im Sprachgebiet begegnet.
Kann sich einfach und zusammenhängend über vertraute
Themen und persönliche Interessengebiete äußern. Kann über
Erfahrungen und Ereignisse berichten, Träume, Hoffnungen
und Ziele beschreiben und zu Plänen und Ansichten kurze
Begründungen oder Erklärungen geben.
Elementare
Sprachverwendung
A2
Kann Sätze und häufig gebrauchte Ausdrücke verstehen, die
mit Bereichen von ganz unmittelbarer Bedeutung
zusammenhängen (z. B. Informationen zur Person und zur
Familie, Einkaufen, Arbeit, nähere Umgebung). Kann sich in
einfachen, routinemäßigen Situationen verständigen, in denen
es um einen einfachen und direkten Austausch von
Informationen über vertraute und geläufige Dinge geht. Kann
mit einfachen Mitteln die eigene Herkunft und Ausbildung,
die direkte Umgebung und Dinge im Zusammenhang mit
unmittelbaren Bedürfnissen beschreiben.
A1
Kann vertraute, alltägliche Ausdrücke und ganz einfache Sätze
verstehen und verwenden, die auf die Befriedigung konkreter
Bedürfnisse zielen. Kann sich und andere vorstellen und
anderen Leuten Fragen zu ihrer Person stellen - z. B. wo sie
wohnen, was für Leute sie kennen oder was für Dinge sie
haben - und kann auf Fragen dieser Art Antwort geben. Kann
sich auf einfache Art verständigen, wenn die
Gesprächspartnerinnen oder Gesprächspartner langsam und
deutlich sprechen und bereit sind zu helfen.
Die Globalkriterien kommen systematisch auf jeder Ebene der Sprachfertigkeit zur
Geltung. Für die drei Leistungsbereiche Verstehen, Sprechen und Schreiben bieten sie
eine Basis zur Selbstbeurteilung. Dabei kann die Skala der Kriterien beliebig tief
entwickelt werden. Es verzweigen die Beschreibungsebenen mit den neuen
Fragestellungen. Faktoren wie die systematische Erfassung der Lernumgebung, des
Einsatzes von Lernmaterial oder auch die entsprechenden Bewertungssysteme können
ebenfalls in diesem Ansatz integriert werden.
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Auffallend bei der Formulierung der Referenzniveaus ist die Verwendung von
Kann-Beschreibungen. Dadurch bleibt der Lerner das Zentrum des Referenzsystems. Es
werden mit den Kann-Beschreibungen persönliche Perspektiven eröffnet und nicht
abstrakte Lerninhalte gefordert. Linguistische Fachbegriffe bleiben hier ausgespart. Dem
Lerner wird es möglich, sich in kleinen Schritten zu orientieren und mit klaren
Entscheidungen seine Sprachkompetenz zu beurteilen. Dabei wird stets die positive
Perspektive gewahrt, indem das Können thematisiert wird und nicht die Defizite.
5. Einige kritischen Anmerkungen
Die Aufteilung der kommunikativen Fertigkeiten in Sprechen, Hören, Lesen und
Schreiben bietet sich unter dem Aspekt der Systematisierung an. Tatsächlich hat dies zur
Folge, dass die Lehrwerke mittlerweile den GER Ansatz umsetzen und diese Fertigkeiten
in getrennten Übungen behandeln. Aus didaktischer Sicht ist dies allerdings fragwürdig.
Hatte man doch vorher einen ganzheitlichen Ansatz entwickelt, indem alle Fertigkeiten
in einem Übungsblock synchron behandelt wurden. Unter diesem Gesichtspunkt
erscheint der GER rückschrittlich.
Auch werden Rezeption und Produktion als primäre Vorgänge betrachtet und die
Interaktion und Sprachmittlung als nachgeordnet. Die Mündlichkeit erlangt hierbei eine
eigene Varietät. Dies ist zunächst positiv zu bewerten. Aus dem Systemgedanken des
GER heraus bleibt aber die kommunikative Sprachkompetenz in soziolinguistischer und
pragmatischer Hinsicht unscharf beschrieben. Aus didaktischer Sicht ist ein
handlungsorientierter Ansatz wünschenswert. Leider findet hier die Gemeinsamkeit in
der kommunikativen Situation, die Intentionen und Handlungen des Anderen einschließt,
wenig Gewicht. Der Sprecher wird für sich betrachtet und der Hörer wird für sich
betrachtet. Beide werden unter handlungstheoretischen Aspekten beschrieben, aber nicht
gemeinsam. Die gemeinsame kommunikative Situation fehlt.
400 독일문학 ? 제99집
Die Kann-Beschreibung über die Tabellen und Skalen führt zu einer Atomisierung
der Fertigkeiten. Deswegen bleiben die soziolinguistische und pragmatische Kompetenz
nur angedeutet und soziokulturelle und interkulturelle Aspekte werden überhaupt zu
wenig berücksichtigt.
Im GER wird das Verhältnis von Lexikon und Grammatik nicht beleuchtet.
Vielmehr erscheinen alle Kompetenzbereiche nebeneinander zu bestehen. Fragen der
Kompositionalität von Sprache im Sprachgebrauch werden nicht thematisiert. Formale
Aspekte von Sprache bleiben häufig ohne Bezug zu Handlungsfunktionen. Die
verschiedenen Tendenzen zur Atomisierung sind eine Folge der Ausdifferenzierung der
Kategorien und Teilkompetenzen.
Neben diesen zuletzt genannten kritischen Anmerkungen zum GER bleiben viele
positive Aspekte aus der Lernersicht zu nennen. Die Lernziele sind klar und transparent,
weil sie in kleinen und konkrten Schritten entwickelt werden können. Auf diesem Weg
klärt sich auch die Frage, wie man lernen möchte, indem das Lernen bewusst gemacht
wird. Die Lernerfolge sind unmitelbar greifbar und können jederzeit besprochen werden.
Dadurch bleiben auch die Beurteilungskriterien durchschaubar und der Lernfortschritt
insgesamt ist nachvollziehbar.
6. Ausblick
Der GER ist als Instrument für das Fremdsprachenangebot in Europa entwickelt
worden. Mehrsprachigkeit wird damit zum Bildungsziel erklärt, um die kulturelle
Vielfalt und wirtschaftliche Prosperität zu fördern. Wie in anderen Teilen der Welt wird
auch in Europa Englisch als erste Fremdsprache bevorzugt. In den Ländern des
Europarats gibt es dabei große Unterschiede, wenn man nur die Länder Skandinaviens
mit denen des ehemaligen Ostblocks vergleicht oder auch mit Deutschland. Die
Entwicklungen für die zweite und dritte Fremdsprache sind Veränderungen unterworfen,
?Gemeinsamer europäischer Referenzrahmen für Sprachen: lernen, lehren, beurteilen? … 401
wenn man z.B. Deutschland und Frankreich betrachtet, in denen Spanisch gegenüber den
anderen beiden Sprachen in den letzten Jahren an Verbreitung gewonnen hat. Der GER
möchte dazu beitragen, das Gesamtniveau der Fremdsprachenkompetenz zu erhöhen.
Mit diesem allgemeinen Anspruch ist der GER auch für andere Regionen interessant.
Er ist in Europa entwickelt worden, aufgrund der besonderen Voraussetzungen. In seiner
Konzeption ist er allerdings universell übertragbar. Gerade im nichteuropäischen
Ausland scheint der Bedarf an einem strukturierten Angebot für Mehrsprachigkeit
besonders dringend zu sein. In Korea hat sich das Fremdsprachenangebot nach der
Curricularreform noch stärker auf Englisch als einzige Fremdsprache konzentriert. Der
Aufwand eine Fremdsprache aus einer völlig anderen Sprachfamilie zu lernen ist
deutlich höher als in den meisten Fällen in Europa. Mit der großen Distanz zum Zielland
ist auch die Motivation eine zweite Fremdsprache aus dieser Sprachfamilie zu lernen,
weniger ausgeprägt. Deshalb ist es umso wichtiger, in dieser Umgebung den Einstieg zu
einer zweiten Fremdsprache aus dieser Sprachfamilie durch ein effizientes Angebot zu
erleichtern.
Für Korea scheint es lohnenswert zu sein, den GER zu nutzen, um Curricula und
Lehrmaterialien zu erarbeiten. Gerade weil DaF von den Lernern weniger favorisiert
wird wie Japanisch oder Chinesisch, muss Sorge getragen werden, dass das Lehrangebot
effektiv und aktuell gestaltet wird. Nur dann gelingt es, Lerner mit dem Lehrangebot
anzusprechen und zu gewinnen. Dazu kann entscheidend der systematische
Bewertungsrahmen beitragen, indem der Blick über den eigenen Arbeitsbereich geöffnet
wird und auch eine Vernetzung des Fremdsprachenangebots stattfindet. Mit neuen Tests
und Testformaten sollte auch die Didaktik und Methodik der Lernprogramme
weiterentwickelt werden. Das setzt die Bereitschaft voraus, Veränderungen zuzulassen in
Bezug auf die Lernstrategien und auch Lerntraditionen. Letztlich sollte damit der Weg
geöffnet werden, der von den Begrenzungen rein schulischen Lernens befreit und zu
lebenslangem Fremdspachenlernen führt.
402 독일문학 ? 제99집
Der Referenzrahmen ist offen gehalten und es scheint möglich zu sein, Lehrpläne für
außereuropäische Sprachen innerhalb dieses Referenzsystems für den Fremd-
sprachenunterricht zu erstellen. Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen weit
entfernten Sprachen lassen sich innerhalb eines Referenzsystems gut darstellen und
erleichtern somit auch wieder den Erwerb einer zweiten Fremdsprache. Dennoch wird
für viele Lerner der Erwerb nur einer Fremdsprache schon ein großer Fortschritt bleiben.
Auch sie profitieren von einem differenziert an ihren Lernzielen orientierten
Fremdsprachenangebot. Der gemeinsame Referenzrahmen wird eine Optimierung der
Lehr- und Lernmöglichkeiten bringen, indem durch eine höhere Transparenz eine höhere
Innovationsrate erfolgt. Letztlich ist der GER eine Art Qualitätsmanagement. Für eine
erfolgreiche Zertifizierung müssen die Angebote immer wieder überprüft und ergänzt
werden und stimulieren sich systembedingt dabei gegenseitig. Darin liegen die Chancen
nicht nur eines GER, sondern auch eines universellen Referenzsystems für den
Fremdsprachenerwerb.
Literaturangaben:
Bausch, K.-R./Christ, H./Königs, F.G./Krumm, H.-J. (Hrsg.) (2003): Der Gemeinsame
europäische Referenzrahmen für Sprachen in der Diskussion. Tübingen.
Europarat - Rat für kulturelle Zusammenarbeit (2001): Gemeinsamer Europäischer
Referenzrahmen für Sprachen: lernen, lehren, beurteilen. Berlin: Langenscheidt.
Glaboniat, M./Müller, M./Rusch, P./Wertenschlag, L. (2005): Profile Deutsch. Berlin usw.
Schneider, Günther/North, Brian (2000): Fremdsprachen können - was heißt das? Skalen
zur Beschreibung, Beurteilung und Selbsteinschätzung der fremdsprachlichen
Kommunikationsfähigkeit. Chur/Zürich.
Quetz, Jürgen (2003): A1-A2-B1-B2-C1-C3. Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen.
In: Deutsch als Fremdsprache, 1. Quartal, Heft 1, 40. Jahrgang, 42-48.
Raupach, Manfred (2003): ,Wir stellen nur Fragen, wir geben keine Antworten.ʼ Der
Gemeinsame Europäische Referenzrahmen: ist da mehr drin als man denkt? In:
?Gemeinsamer europäischer Referenzrahmen für Sprachen: lernen, lehren, beurteilen? … 403
Bausch, K.-R./ Christ, H./ Königs, F.G./ Krumm, H.-J. (Hrsg.) Der Gemeinsame
Europäische Referenzrahmen für Sprachen in der Diskussion. Tübingen: Gunter
Narr, 156-163.
?언어 학습, 교수, 평가를 위한 유럽 공통 참조 기준?과
우리나라 외국어 교육의 방향 설정
김한란 (성신여대)
?언어 학습, 교수, 평가를 위한 유럽 공통 참조 기준?(이하 ?공통 참조 기준?)
은 유럽 의회에서 회원국의 언어(외국어) 수업을 위해, 즉 수업계획, 교과과정, 요
강, 시험, 교재 등의 개발을 위해 만든 기본지침이다. 본 논문은 ?공통 참조 기준?
이 앞으로의 우리나라 외국어 교육에도 지대한 영향을 미치리라는 관점에서 그
생성 배경과 주요 쟁점을 고찰하고 우리나라 외국어로서의 독일어 교육 수업 현
장에서 건설적인 방향을 제시할 수 있으리라고 사려 되어 연구하였다.
1-3장에서는 ?공통 참조 기준?의 집필 배경과 유럽의회의 언어정책, 참조 기준
의 목표 등을 간단히 살펴보았다. 4장에서는 참조 기준 수준 기술 방법과 ?공통
참조 기준? 의 기본이 되는 ‘총괄척도’ 및 구어사용 평가에 적용 가능한 예를 들
어 보았다. 5장에서는 ?공통 참조 기준?의 도입 이후에 실제 수업 현장에서 느껴
지는 장단점을 비판적인 시점에서 연구하였고 또한 학습자의 관점에서 본 긍정적
인 면을 연구하였다. 마지막으로 6장에서는 유럽 내의 교육체계간의 차이에서 유
발되는 장애와 개인간의 언어적인 의사소통의 장애를 극복하고, 외국어 학습의 목
적과 내용, 방법을 명료하게 기술하여, 학습과정과 수업계획, 요강 그리고 인증의
명료성을 높여 언어 영역에서의 국가간 협력을 강화시키는데 도움을 줄 수 있는
초석으로 집필된 이 ?공통 참조 기준?이 유럽뿐만 아니라 우리나라의 외국어로서
의 독일어교육의 방향 재설정에도 될 수 있다는 점을 강조하였다. 문화의 다양성
과 경제 번영을 증진시키기 위하여 ‘다중언어주의’를 교육의 목표로 설정한 ?공통
참조 기준?의 정신은 영어일관주의 우리나라의 현행 외국어 정책을 재고하여야
한다는 점에 시사하는 바가 크다.
404 독일문학 ? 제99집
주제어: ?언어 학습, 교수, 평가를 위한 유럽 공통 참조 기준?, 다중언어주의, 총괄척도, 언
어정책, 참조기준수준
Schlüsselbegriffe: ?Gemeinsamer europäischer Referenzrahmen für Sprachen:
lernen, lehren, beurteilen?, Mehrsprachigkeit, Globalskala, Sprachpolitik,
Referenzniveaus
필자 E-Mail: hallank@sungshin.ac.kr
접수일: 2006. 5. 31 / 심사일: 2006. 6. 27 / 심사완료일: 2006. 8. 23
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nechodím na prednášky